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Bewegende Worte des Abschieds

  KK News

von Hans-Wilhelm Hube kurz vor seinem Tod

Worte des Abschieds (15. 08. 2021)

Liebe Gemeinde,

60 Jahre ist das nun her, dass ich auf dieser Kanzel unserer St. Nikolai-Kirche oder vielen anderen Kanzeln gestanden habe. Aus gesundheitlichen Gründen ist das nicht länger möglich und ich möchte ein paar Sätze des Abschieds und des Dankes an Sie richten.

Einige von Ihnen wissen, dass ich unheilbar krank bin. Als ich meiner Palleativmedizinerin vor ein paar Tagen sagte: Ich habe 16 kg abgenommen, habe keinen  Appetit, bin lustlos und müde – war ihre Reaktion: Das wird nun immer so weitergehen. Realistisch, aber vielleicht nicht immer  ermutigend.

Ich möchte Ihnen gern erzählen, dass meine Gelassenheit und Zuversicht in drei Bibelworten begründet sind.

Im Johannesevangelium (5,24) sagt Christus: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben undkommt nicht in das Gericht. Das ist für mich ermutigend und befreiend: Ewiges Leben ohne Gericht.

Der Bibeltext für meine Beerdigung steht im 1. Johannesbrief (4,16): Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. In der Liebe Gottes eine Bleibe haben, das ist doch ein wunderschönes Bild für die Ewigkeit. Und – auch wenn dieses nicht ganz der kirchlichen Lehre entspricht: so stelle ich mir Auferweckung vor: In der Liebe Gottes eine Bleibe haben.

Mein drittes Bibelwort ist gleichsam für den täglichen Hausgebrauch: Gott, von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. (Psalm 139,5).

Unsere Bibel enthält ja auf ihren mehr als 1000 Seiten eine Fülle von Geschichten. Eigentlich reichen zwei Geschichten, um ein christliches Leben zu führen. Das eine ist die Geschichte vom verlorenen Sohn. Ich habe mir diesen Satz unterstrichen:   Als der Sohn aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und der Vater lief (ihm entgegen) und fiel ihm um den Hals und küsste ihn (Luk 15,20). Wir leben davon, dass Gott uns je und dann entgegenläuft und uns in seine Arme schließt.

Das andere ist die Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Ein Ausländer aus Samaria sieht mit den Augen der Liebe, was für den getan werden muss, der  da halbtot am Wegesrand liegt. Und der Rest ist eine Sache der Vernunft. Mit den Augen der Liebe und der Vernunft weiß jeder Hausmann und jede Politikerin, was zu tun ist. Liebe und Vernunft. Das reicht.

Zum Schluss wende ich mich an diejenigen unter uns, die Schwierigkeiten haben mit der Vorstellung von der Erlösung durch das Blut Jesu. Ich erzähle Ihnen die Geschichte einmal so: Als Gott seinen Sohn Jesus von Nazareth in diese Welt sandte, hat er uns einen Menschen voller Vertrauen zu Gott vor Augen gehalten. Und Gott hat ihm die Treue gehalten. Das waren die beiden Säulen, die das Leben Jesu gehalten haben: Die Treue Gottes zum ihm und sein Vertrauen zu Gott.

Und das sind auch die beiden Säulen, die unser Leben tragen: Die Treue Gottes zu uns und unser Vertrauen zu Gott. Und je und dann, wenn wir merken: Donner ja, das stimmt, dann erfahren wir das, was Bibel Erlösung nennt. Und das reicht. Mehr als Erlösung brauchen wir nicht. Amen.

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