Taufstein auf Reisen

 

Hülseder Taufstein wird für die Ausstellung zum Reformationsjubiläum nach Wittenberg verliehen

Bilder der Fotografin Andrea Hesse finden Sie hier: https://www.dropbox.com/sh/gsjxma7ec8d2suc/AADaCF1AOnHR7tmC7557iX1Qa?dl=0

 

Informationen zum Erlebnisraum Taufe gibt es hier: www.erlebnisraumtaufe.de

 

 

 

Ein uralter Taufstein reist nach Wittenberg

„Erlebnisraum Taufe“ entsteht rund um die Leihgabe aus Hülsede

Etwa 500 Kilogramm bringt er auf die Waage, hat einen Durchmesser von knapp einem Meter und wird doch mit großer Behutsamkeit behandelt: Der uralte Taufstein aus der St.-Aegidien-Kirche in Hülsede (Samtgemeinde Rodenberg) hat am Dienstag eine achtmonatige Reise nach Wittenberg angetreten. Dort wird er zum Mittelpunkt im „Erlebnisraum Taufe“, mit dem sich die hannoversche Landeskirche während der „Weltausstellung Reformation“ in der Wittenberger Innenstadt präsentiert.

„Unser Taufstein ist aus Obernkirchener Sandstein gefertigt und stammt aus dem 13., 14. oder 15. Jahrhundert“, erzählt Eckhardt Arndt, Kirchenführer in der St.-Aigidien-Kirche. Die mit Zement aufgesetzte Taufschale hat ein Fassungsvermögen von mehr als 100 Litern und ist mit wunderschönen gotischen Ornamenten verziert, der Fuß besteht aus massivem Stein. „Seit Jahrhunderten“, so erzählt Arnd, „hat dieser Taufstein seinen Platz unter der Empore am früheren Haupteingang unserer Kirche“ – auch nach dem Abtransport zeigt ein dunkler Fleck auf dem Steinboden den Standort an.

Mit großer Vorsicht trennten Mitarbeiter eines Steinmetzbetriebes, in dem der Taufstein bereits 1999 restauriert worden war, die Taufschale vom Fuß. Dabei war zunächst noch Muskelkraft gefragt: Behutsam kippten die Handwerker den Stein samt Fuß an, schoben dann Rundhölzer darunter und rollten ihn so, ganz wie im Mittelalter, unter der niedrigen Empore hervor. Dank der Rundhölzer ließ sich auch eine Stufe bewältigen und mithilfe eines Flaschenzuges in einem Stahlgestell konnten Taufschale und Fuß dann auf Paletten gehoben werden. Sicher verzurrt fuhr Steinmetzmeister Meier die wertvolle Fracht anschließend auf sein Firmengelände, wo sie für die Fahrt nach Wittenberg transportsicher verpackt wurde.

„Während unserer Vorüberlegungen für den Erlebnisraum Taufe habe ich mich an den alten Hülseder Taufstein erinnert“, erzählt Oberkirchenrätin Dr. Heike Köhler, im Landeskirchenamt in Hannover verantwortlich für das Wittenberger Projekt. Als Pastorin war sie vor einigen Jahren in der Kirchengemeinde Kathrinhagen-Rolfshagen tätig gewesen, hatte allerdings nie an dem alten Hülseder Taufbecken getauft. Den Taufstein mit seiner beeindruckenden Größe und dem archaischen Erscheinungsbild empfand sie als besonders geeignet für den Erlebnisraum Taufe, nahm daher Kontakt zu Pastor Dieter Meimbresse und zum Kirchenvorstand auf – und bekam eine positive Rückmeldung. Mit einem Gottesdienst verabschiedete die Gemeinde ihren „Dicken“, wie Eckhardt Arndt liebevoll sagt, und dann wurde der auch schon sehnlich in Wittenberg erwartet.

In dem angemieteten Laden am Stadtgraben, der zum Erlebnisraum Taufe werden soll, fällt mit der Ankunft des Taufsteins der Startschuss für die Inneneinrichtung: „Die Planungen sind fertig, aber erst wenn der Hülseder Taufstein dort aufgestellt ist, bauen wir alles andere um ihn herum“, berichtet Heike Köhler. In Hülsede wird übrigens weiterhin getauft: Seit einigen Jahren schon finden Taufen an einem kleineren Taufbecken im Altarraum statt. Clemens-Christian Stummeyer, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, erinnert sich dennoch auch an andere Zeiten: „Meine beiden Töchter wurden an dem alten Taufstein, den wir jetzt auf die Reise geschickt haben, getauft.“

Andrea Hesse, 24. 01. 2017