Andacht im Schaumburger Wochenblatt vom 12.11.16

Friedenssehnsucht: Zum Tode Jörg Zinks

Am 9. September verstarb der Theologe, Fernsehpfarrer und Buchautor Jörg Zink im Alter von 93 Jahren. Ich hörte ihn zum ersten Mal 2005 auf dem Kirchentag in Hannover bei einer Bibelarbeit. Vergessen werde ich nicht, wie damals nach seinem Vortrag die rund tausend Menschen in der Messehalle aufstanden und diesem Mann applaudierten. Mich hatte der damals immerhin schon 82jährige Mann sehr beeindruckt. Sein Auftreten war bescheiden und zurückhaltend. Sein weißes volles Haar verlieh ihm eine besondere Würde. Aber bewegend waren für mich vor allem seine Worte. Am Ende dieser Bibelarbeit machte er einen Vorschlag, wie es uns gelingen könne, im Gewühle des Alltags ein zufriedener Mensch zu bleiben und zu tun, was Gott von uns erwartet:
„Für alles danken. So meidet man die Bitterkeit. Verzeihen, ohne Aufheben davon zu machen. So gibt man immer mehr Raum. Immer weniger mit Gewalt tun und immer mehr mit Geduld. Immer weniger hassen und ablehnen. Sich an immer mehr mitfreuen. Immer weniger fordern. Immer weniger verweigern. Am Ende sind alle Grundsätze unwichtig. Im Ernstfall genügt ein wenig Barmherzigkeit. Am Ende bleibt die achtsame Liebe.“
Diese Worte helfen mir bis heute, die Sehnsucht nach Frieden nicht aufzugeben. Ich lese sie immer mal wieder, weil es gar nicht so einfach ist, seinem Rat zu folgen. Wie schnell versuche ich, im Alltag Dinge mit Druck und Ungeduld zu erledigen. Da bleibt dann oft kein Raum, auf überraschende Momente liebevoll zu achten. Selbst der barmherzige und humorige Blick auf die eigene Person mit ihren Grenzen kommt dann schnell zu kurz. Frieden beginnt bei mir selbst und mit mir selbst. Wenn wir jetzt Sonntag am Volkstrauertag in den Gottesdiensten und an den Denkmälern an die Opfer von Krieg und Gewalt denken, wird deutlich: Wir alle sind gefragt, den Weg des Friedens zu wählen. Jörg Zink hat den 2. Weltkrieg als Kampfflieger nur knapp überlebt und wurde danach zum überzeugten Kämpfer für Frieden. Seine Worte laden dazu ein, es immer wieder neu zu wagen, uns selbst, den Mitmenschen, den Fremden und das Leben mit ein wenig mehr Barmherzigkeit und mit immer mehr Liebe zu achten. So wird Frieden wirklich – in mir und in meiner Umwelt.

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

Angedacht in der Schaumburger Zeitung vom 11.6.16

Wir feiern denen zum Trotz

Ich habe es versucht. Habe meinen großen Sohn zum Training gefahren und ihn bei Turnieren vom Spielfeldrand angefeuert, bis ich heiser war. Habe für die Cafeteria Kuchen gebacken, das Wochenende auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle verbracht und war stolz wie Bolle, wenn „unsere“ Mannschaft gewann. Ich habe es versucht, regelmäßiger Fußballfan zu werden – und war doch nicht traurig, als nach einigen Jahren in unserer Familie andere Sportarten in den Vordergrund rückten. Aber bei der EM oder WM – da bin ich dabei! Ich kann zwar immer noch nur schwer ein Abseits erkennen und verweigere auch den Kauf von Panini-Bildern und Schokoküssen in Schwarz-Rot-Gold – aber mitfiebern und jubeln und zu Tode betrübt sein über Niederlagen kann ich wie jeder Hardcore-Fan.

Nun ist es wieder soweit, und Fußball wird auch für mich in diesen Wochen zur schönsten Nebensache der Welt. Bei den wichtigen Spielen der großen Turniere in den letzten Jahrzehnten kann ich bis heute sagen, wo und mit wem ich sie gesehen habe. Ich fühle noch die grenzenlose Enttäuschung, wenn sie verloren gingen, und genauso die Begeisterung und das gemeinsame Feiern, wenn „wir“ gewonnen haben. `11 Freunde sollt ihr sein´ – und ein bisschen sind wir doch auch alle befreundet mit den Spielern auf dem Platz und gewinnen und verlieren mit ihnen zusammen. Es spielt dabei keine Rolle, welche Hautschattierung sie tragen, wie deutsch ihr Name klingt und welcher Religion sie angehören. Ihr Können zählt, ihr Einsatz, ihr Teamgeist. Sie leben einen Traum – stellvertretend für uns. Wir feuern sie an, vereint über alle Grenzen hinweg. Ich freue mich, wenn das erste Spiel angepfiffen ist und unsere deutsche Mannschaft in ihrer Vielfältigkeit ein wunderbares Zeichen für das bunte und weltoffene Deutschland setzt, das wir in unseren besten Momenten schon sind.

Wir feiern denen zum Trotz, die kleingeistige Gottesbilder vor sich her tragen und uns das Fürchten lehren wollen. Wir stellen uns taub gegen das Hetzen derer, die eine stromlinienförmige Gesellschaft wollen. Wir lassen uns nicht abschrecken von Gierhälsen, die nur das Geschäft sehen. Wo Einsatz ist und Hingabe, Gemeinschaft und Freude, da ist Leben. Da ist etwas vom beflügelnden Geist unseres Gottes. Wunderbar, wenn ein Fest uns das in Erinnerung ruft und uns mitreißt und beglückt. Feiern wir also einen schönen Fußballsommer!

Pastorin Sabine Schiermeyer, St. Nikolai Rinteln

Angedacht für die Wochenendausgabe der Schaumburger Zeitung 21./22. Mai 2016

Früher war alles besser

 

Ich bin kein Freund von pauschalen Aussagen. Dazu war und ist die Wirklichkeit immer schon zu vielfältig. Das Leben wäre furchtbar eintönig, ließen sich seine Erfahrungen in ein bloßes Schwarz-weiß, gut-böse-Schema einordnen. Schmerzhaft ist darum, dass wir weltweit in vielen Gesellschaften (wenn sie nicht sowieso vorher schon autokratisch und autoritär geprägt waren) gerade einmal wieder den Versuch erleben, sogenannte Einfachheit, Eindeutigkeit und Klarheit herzustellen. Auch wenn sich viele Menschen genau danach sehen - dieser Versuch geschieht immer auf Kosten der Vielfalt des Lebens und der Menschenwürde. In einer globalisierten Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit für alle nur mit Hilfe aller Völker zu erreichen ist, muss es andere Antworten geben, als Zäune hochzuziehen und völkischen Ideen nachzueifern.

Und doch: Solche Bestrebungen gab es zu allen Zeiten und in allen Lebensbereichen. Selbst im Nachkriegsdeutschland mit seinem großartigen Grundgesetz und den bis heute erreichten Freiheiten gab es in den ersten Jahrzehnten noch feste autoritäre Strukturen, in denen klar festgelegt war, wer was wie und wann zu sagen hatte, und wer entsprechend zu gehorchen hatte. Es gab auch im Blick auf die Autoritäten in der Gesellschaft ein festes Weltbild, dem man sich selbst unterzuordnen hatte. Die 68iger haben sich damals zum ersten Mal massiv gegen diese überkommene Struktur aufgelehnt.
Ich bin Jahrgang 1955 und kann mich noch gut erinnern, dass mein Lernen in der Schule oft mehr von Angst vor Versagen und Strafe bestimmt war, als von der Freude etwas zu entdecken. An meinem Gymnasium durfte mich der Lehrer beim Nichtwissen einer Vokabel noch an den Haaren vom Platz hochziehen und im Keller der Schule gab es ein Verlies, in das Schüler zeitweise bei Ungehorsam eingesperrt wurden. Dazu gehörte auch, dass man vor allem im Blick auf die Autoritäten in der Gesellschaft nicht sehen wollte, was es eben auch damals schon gab: Machtmissbrauch gegenüber Untergebenen und Schutzbefohlenen. Allerdings haben sich bis heute glücklicherweise auch Wahrnehmung und Urteil darüber verändert, was unter Machtmissbrauch zu verstehen ist. Aber immer noch gilt: Das Verdikt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, macht es selbst heute noch vielen Opfern von Machtmissbrauch schwer, sich gegen Demütigungen zu wehren. Hinzu kommt die Androhung von Strafen und Sanktionen durch die Täter.
Das Grundproblem hinter allem ist, dass eine Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn Vertrauen möglich ist: Vertrauen gerade auch gegenüber denen, die Verantwortung für andere übernommen haben. Wo kein Vertrauen mehr möglich ist, kann eine Gemeinschaft nicht existieren. Vor allem die moralischen Instanzen in einer Gesellschaft (aus vielen anderen seien hier genannt: Politiker, Lehrer, Ärzte, Pastoren) leben für ihr Wirken davon.

Zur Überschrift: Wenn das Opfer des sexuellen Missbrauchs durch einen meiner Vorgänger (siehe heutiger Artikel in dieser Zeitung) sinngemäß sagt: Im Rinteln der 60iger Jahre habe es nicht Eltern und Öffentlichkeit über den Missbrauch informiert, da es sich nicht zugetraut hat, den zu erwartenden Skandal durchzustehen, dann war es früher ganz bestimmt nicht besser als heute.

Dass es aber heute im Blick auf das gesellschaftliche Wahrnehmen, Benennen und Verhindern von sexuellen Missbrauch (und jeder anderen Form von Machtmissbrauch) besser sein möge als früher, dafür lasst uns alle weiter einsetzen und arbeiten. Ich möchte in einer Welt leben, in der ich aussprechen und benennen darf und kann, durch wen und was mir Unrecht geschieht.
Aber vor allem: Ich möchte, dass es gar nicht erst soweit kommt.

 

Andreas Kühne-Glaser, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg
und Pastor der St. Nikolaigemeinde Rinteln

Andacht in der Schaumburger Zeitung 5./6.3.16

Die Geister, die ich rief....

Mit wachsender Sorge sehe nicht nur ich in diesen Tagen in die USA auf die Vorwahlen der Kandidaten zur Präsidentschaft und den wachsenden Vorsprung von Donald Trump. In einem Kommentar aus den letzten Tagen heißt es, dass die Republikaner nun ernten, was Sie in den letzten Jahren gesäht haben. Eine Professorin aus Washington erklärt den Erfolg Trumps damit, dass die Partei die Kontrolle über die Wut verloren hätten, die sie jahrelang (u.a. mit der "Tea-Party") selbst geschürt hat: gegen Obama, gegen die Krankenver-sicherung, gegen Migranten, Muslime, Homo-Ehe und Klimaschutz. Trump überholt mit seinem so schlichten wie erfolgreichen Populismus der so einfachen wie menschenver-achtenden Lösungen selbst die konservativsten Mitglieder der Republikaner und hat an der Basis zugleich soviel Zuspruch, dass die Parteiführung gar nicht mehr weiß, wie sie diesen Mann noch stoppen soll. Die Geister, die sie gerufen haben, werden sie nun nicht mehr los (Der Zauberlehrling - J. W. v. Goethe). Im Gegenteil, der seit Jahren gepredigte regelrechte Hass gegen die Obama-Regierung und die etablierten Politiker hat nun eine Eigendynamik entwickelt, die immer schwerer aufzuhalten ist.

Was mich erschreckt - und das nicht nur im Blick auf Amerika sondern auch auf eine wachsende Anzahl von Menschen in Europa (Ungarn, Polen, aber auch bei uns in Form der AfD und der Pegida Bewegung) - ist der zunehmende Glaube, das es für die Probleme dieser Welt einfache Lösungen gäbe, die sich vor allem in Einem einig sind: Sie wollen die "böse" Welt (und damit meinen sie vor allem meist notleidende Menschen aus anderen Kuturen und Ländern) außen vor halten und sich von ihr abschotten indem sie nach innen ein scheinbar heiles - meist nationalkonservatives und autoritäres Weltbild - aufbauen und nach außen mit militärischer Gewalt alles abwehren, was diese innere Welt in Frage stellt.

Was mich aber fast noch mehr erschreckt ist, dass sich die Kräfte, die daran arbeiten immer wieder und gerne im Christentum verwurzelt sehen - in den USA nicht anders als in Europa. Wie unwissend und unreflektiert muss dieser Glaube sein, dass er für die Anwendung und Androhung von Gewalt und Menschenverachtung herhalten muss? Ich kenne keinen weltoffeneren, keinen die Gewalt mehr verachtenden, keinen barmherzigeren und keinen mit anderen mehr mitleidenderen Menschen als den Mann, auf dessen Leben und Botschaft sich das Christentum gründet: Jesus von Nazareth. Dass sein Name, sein Leben, Lieben und Leiden, Sterben und Auferstehen herhalten muss für einen Geist, der unter anderem Schutzmauern gegen Menschen aufbauen möchte, Migranten und Flüchtlinge pauschal kriminalisiert und Angst vor ihnen schürt, und den Islam völlig undifferenziert als Gefahr für die westliche Kultur hinstellt, das tut buchstäblich weh, weil er so ganz und gar die christliche Botschaft auf den Kopf stellt und diskreditiert.
Neben allem, was wir als Christen in diesen Zeiten an Hilfe für Menschen in Not aufbringen sollten, ist es auch unsere Aufgabe, all denen mit klaren Worten entgegenzutreten, die den christlichen Glauben in seiner Botschaft verfälschen (ähnlich wie es der IS mit dem Islam macht) und in einem Geist gebrauchen, der mit den Grundaussagen des Christentums und seiner Botschaft ganz und gar nichts zu tun hat.

 

Andreas Kühne-Glaser,

Pastor an St. Nikolai Rinteln und

Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

Andacht für das Schaumburger Wochenblatt, 5.3.16

Üben

Seit drei Wochen üben wir. „Exerzitien im Alltag“ heißt das Projekt. Mit Exerzitien sind „Übungen“ gemeint. Jeden Tag nehmen wir uns 30 Minuten Zeit für Stille und Gebet und für einen fünfzehnminütigen Tagesrückblick am Abend. Es war für mich und die anderen acht Teilnehmerinnen in der ersten Woche schon herausfordernd, einen geeigneten Zeitpunkt und Ort für die stille Zeit zu finden. Seit dies gelingt, merken wir, dass es auch nicht so leicht ist, innerlich tatsächlich still zu werden. Ganz schnell huschen meine Gedanken zu noch anstehenden Erledigungen und Terminen. Aber wir sind eben nur Übende. Wir üben, in der Stille zu sitzen, einfach da zu sein, ohne Gedanken ans Morgen und lassen Tagesimpulse wie Bibeltexte, Bilder oder Gebete auf uns wirken. Manchmal gelingt es, in Gottes wohlwollendem Blick auszuruhen und aufmerksam zu werden für mich, für Gott und für neue Wege des Handelns.
Gut tun die wöchentlichen Treffen in der Gruppe. Hier tauschen wir uns über Übungserfolge und Misserfolge sowie unsere Gedanken zu den Impulsen aus.
Mit der vierten Woche enden nun die Exerzitien. Ziel war es, Gott mehr Raum in Alltag zu geben. Ich habe gemerkt, wie viel Anstrengung es kostet und wie viel Platz so viel anderes einnimmt. Ich habe aber auch gemerkt, wie wohltuend die Zeit der Stille ist. Ich bin froh, dass es auch nach den vier Wochen Möglichkeiten gibt, den Alltag für einen Augenblick zu unterbrechen: Gottesdienste, , Passionsandachten, geöffnete Kirchen, ein Spaziergang und natürlich mein Gebet bieten Räume, mitten im Alltag Kraft in der Ruhe zu finden.
Lieber Leserin, lieber Leser! Sie haben sich gerade auch Zeit zum Lesen genommen. Mitten in Ihrem kostbaren Wochenende. Ich lade Sie zu einer Übung ein: Schließen Sie die Augen, versuchen Sie, still zu werden und stellen Sie sich vor, dass Gott sie mit freundlichen Augen anschaut.

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

Andacht für das Schaumburger Wochenblatt, 13. Februar 2016

Ins Herz geschlossen – diese Redewendung fällt mir ein, wenn ich an der Rintelner Weserbrücke die unzähligen kleinen Liebesschlösser sehe. Da hängen sie an der Kette und der Schlüssel ist in die Weser geworfen. Die Liebe soll halten, der Geliebte auf immer im Herzen eingeschlossen bleiben.

An morgigen Sonntag ist der Valentinstag. In manchen Kirchen gibt es dazu besondere „Gottesdienste für Liebende“. Der Valentinstag gilt in vielen Ländern als Tag der Liebenden. Er hat durchaus christliche Wurzeln und einen bedenkenswerten Inhalt.

Der Name des Tages wird auf Bischofs Valentin  zurückgeführt. Der Legende nach war Valentin im dritten Jahrhundert nach Christus der Bischof der italienischen Stadt Terni (damals Interamna). Er soll Verliebte christlich getraut haben, darunter Soldaten, die nach damaligem kaiserlichem Befehl unverheiratet bleiben mussten. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. Auf Befehl des Kaisers Claudius II. wurde er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet.

Der Wunsch, dass einmal geschlossene Liebesverbindungen bestand haben und nicht wieder auseinandergehen, ist heute unvermindert aktuell. Gerade in Zeiten, in denen viele Ehen scheitern und Partnerschaften wieder auseinander gehen, kann es keinesfalls schaden, sich einmal über einen Rosengruß hinaus darauf zu besinnen, was der Liebe gut tut – so dass sie unter einem guten Stern steh, wie die von Valentin geschlossenen Ehen. Dabei kann durchaus auch das Bild der Leibesschlösser kritisch hinterfragt werden: Wenn ich jemanden ins Herz schließe, behält er dann dennoch seine Freiheit? Vielleicht hilft da das Symbol der ineinander verschlungenen Ringe weiter. In der Miete steht das Gemeinsame, aber jeder Partner behält auch sein Eigenes.

Im Johanniskirchzentrum in Rinteln feiern wir um 18 Uhr einen besonderen Gottesdienst für Paare – verliebt, verlobt oder frisch oder immer noch verheiratet – ebenso aber auch für Einzelne. Wir hören auf biblische Worte aus dem Hohenlied der Liebe. Wir hören auch Liebesworte aus Literatur und Musik. Und wir laden dazu ein, Gottes Segen für die Liebe zu empfangen.

Orientierung an Gottes Wort und die Bitte um Gottes Segen können die Liebe stärken. Und es schadet nicht, wenn rote Herzen oder rote Rosen das noch sichtbar unterstützen.

 

Pastor Dirk Gniesmer, Johanniskirchengemeinde Rinteln

Angedacht für Samstag, den 20. Dezember 2015 in der SZ

"Begegnung im Advent"

haben die "Stiftung für Rinteln" und die Nikolaikirchengemeinde ihre Einladung am Donnerstag dieser Woche (die Zeitung berichtete) an die Flüchtlinge genannt, die zur Zeit hier in Rinteln leben. Unser Wunsch war, ihnen etwas über die zentrale Bürgerkirche unserer Stadt und über die Bedeutung der Advents- und Weihnachtszeit zu erzählen.
Wie sollen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Albanien und dem Kosovo und anderswo ein wenig vertrauter mit ihrer neuen Lebensumgebung werden, wenn wir nicht auf sie zugehen und ihnen etwas zeigen und erklären, was für uns und unser Leben in dieser Stadt und diesem Land wichtig ist?
Es war eine besondere Begegnung, auch weil sie im ersten Teil in einer Kirche stattfand. Ganz vorsichtig und manchmal erst nach freundlicher Ermunterung haben rund 100 Menschen, darunter etwa 20 Kinder, unseren "heiligen Raum" betreten. Manche haben am Eingang sogar gefragt, ob sie ihre Schuhe ausziehen sollten (wie es in Moscheen üblich ist). Wie immer war die Sprachvermittlung so wichtig. Wir haben es in Englisch versucht, was dann ins Arabische übersetzt wurde und damit natürlich nicht alle erreicht hat. Aber die allermeisten waren aufmerksam dabei. Die Kirche spricht ja auch durch Ihre Ausgestaltung, ihre Bilderpracht, ihre innere Schönheit. So vieles gibt und gab es zu sehen. Vor allem auch als dann Pastorin Sabine Schiermeyer mit unsren Egli-Puppen die Geburtsgeschichte von Jesu erzählte. Im Beisein unserer Gäste wurde mir wieder bewusst, dass die Weihnachtsgeschichte auch eine orientalische Geschichte ist.
Als Kantorin Daniela Brinkmann dann als Begleitung zum Gesang Rasseln und andere Klang- und Rhythmusinstrumente an die Kinder verteilte, waren diese nicht mehr zu bändigen. Es war überdeutlich zu spüren, wieviel Sehnsucht nach Musik und Spiel in diesen kleinen Menschen steckt und wie lange sie schon darauf verzichten mussten und müssen.

Am Ende haben wir ein wenig von der Wärme, die wir vermitteln wollten, auch zurück bekommen. "Salam!", "Friede!" war ein ganz häufig ausgesprochenes und uns zugesagtes Wort. Einige wünschten sich ein gemeinsames Handyfoto mit Pastorin oder Kantorin, Superintendent oder Bürgermeister. Andere ließen sich vor dem Altar fotografieren. Ein junger Mann aus Afghanistan fragte mich nach den Bildern im Altarraum, schließlich auch nach dem Abendmahlsbild über dem Altar und seiner Bedeutung, und ich musste all meine Englischkenntnisse hervorkramen, um ihm eine zentrale Feier unseres christlichen Glaubens zu erklären. Er hat sehr aufmerksam zugehört und hier und da nachgefragt.

Draußen auf dem Weihnachtsmarkt gab es heißen Kakao mit Sahne. Der Bürgermeister wurde umringt von jungen Männern, die ihn mit all ihren Fragen nach Gegenwart und Zukunft bedrängten. Die Unsicherheit, wie und wann und wo es nun mit ihnen weitergeht, ist für sie mit am schwersten auszuhalten. Keine leichten Zeiten in diesem wichtigen Amt in unserer Stadt. Aber Thomas Priemer weicht keinem Gespräch aus.

Auf dem Heimweg denke ich an den Satz aus der Weihnachtsgeschichte: "Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge!" Wieviel Raum können und wollen wir ihnen bei uns geben? Die Botschaft, die vom kommenden Christfest ausgeht, macht mir Mut, diesen Raum weiter zu suchen, ihn für die Menschen zu finden und mit ihnen zu gestalten.

 

Andreas Kühne-Glaser,

Pastor an St. Nikolai Rinteln und

Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

Angedacht für die Ausgabe der SZ am 2. Oktober

Friedliche Öffnung - gestern und heute

 

Gerade hatte ich in Dessau die Möglichkeit einen Kollegen und Augenzeugen zu den Ereignissen um den 9. November 1989 zu sprechen, in deren Folge dann 11 Monate später die Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde. Das ist jetzt 25 Jahre her. Ihm war und ist wichtig, dass wir nicht von "Wende" sprechen sondern von "Friedlicher Revolution", kommt doch so viel deutlicher das Wunder zum Ausdruck, dass sich ein langer Prozess von wachsender Unzufriedenheit, Einschränkung und unterdrückter Freiheit nicht  - wie so oft in der Geschichte - gewaltsam entladen hat, sondern mit friedlichen Mitteln zu einer Veränderung geführt hat. Noch heute stehen wir staunend und dankbar vor dieser Tatsache, zu der die Kirchen damals viel beigetragen haben, weil sie den Menschen Raum gegeben haben, sich in ihrer Sehnsucht und ihrem Wunsch nach Freiheit zu artikulieren und im friedlichen Protest zu organisieren.

 Aufhorchen lässt dann allerdings im letzten Jahr, dass gerade viele der Menschen, die sich vor über 25 Jahren nach Freiheit und Würde gesehnt haben, nun so schwer damit tun, dass Menschen, denen diese Menschenrechte durch Krieg und andere Umstände verwehrt sind, bei uns Zuflucht suchen. Wir erleben das auch im Westen unserer Republik, aber weniger ausgeprägt, was auch dafür spricht, das man die Überwindung eigener Ängste im Miteinander mit Menschen aus anderen Kulturkreisen und Ländern über Jahre hinweg lernen und einüben muss. Im Osten war das lange nur sehr eingeschränkt möglich.

 Nun aber kommt das "Fremde" sehr massiv auch auf uns in Rinteln zu und es hat viele konkrete menschliche Gesichter, die nach einem zumeist langen Weg von Flucht und großer Entbehrung auf Hilfe und Aufnahme hoffen. Bis zu 600 Flüchtlinge sollen in den nächsten Wochen in der ehemaligen Prince Rupert Schule übergangsweise untergebracht werden. Eine Herkulesaufgabe, die schon für die Versorgung der Grundbedürfnisse der Menschen eine logistische Herausforderung ist. Noch wichtiger aber ist für diese Menschen, wie wir ihnen begegnen werden, als hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter unserer Hilfseinrichtungen, aber auch als ganz normale Bürgerinnen und Bürger in der Begegnung in der (Nord-)Stadt. Ich kann nachvollziehen, dass diese Zuflucht für viele mit Sorgen und Ängsten verbunden ist. Um sie zu überwinden braucht es eine menschliche Grundhaltung die sich an drei Auswirkungen erkennen lässt:

 Die erste ist die wichtigste, sehr biblisch und im Wesen der Liebe zum Leben und zum Nächsten begründet: "Du sollst Dir (vorab) kein Bildnis machen!". Allen Ängsten und Sorgen liegen - neben  zumeist sehr wenigen realen Erfahrungen - phantasierte Bilder zugrunde, die uns unsere Angst vor etwas Neuem und Fremden eingibt. Flüchtlinge sind zuallermeist Menschen wie Sie und ich, mit starken und mit schwachen Seiten. Sie sind Teil der Menschheitsfamilie, zu der auch wir gehören. Und sie suchen wie wir nach Frieden und Heimat und Würde und Arbeit in Sicherheit und Gemeinschaft mit anderen. Sie vorab auf Bilder festzulegen, die uns unser Ängste eingeben, wird weder ihnen noch uns selbst gerecht. Daraus folgt der zweite Ausdruck einer guten Grundhaltung: Wir suchen möglichst unvoreingenommen die direkte Begegnung mit ihnen, um sie als Menschen zu erleben. Auch, um das Unbegreifliche zu verstehen, dass sie ihre Heimat verlassen mussten und sich auf einen langen Weg ins Ungewisse begeben haben. Aus dieser Begegnung entsteht schließlich der dritte Ausdruck unserer Grundhaltung: Wir überlegen, wie und wo wir selbst helfen können, damit diese Menschen bei uns eine neue Heimat (für immer oder auf Zeit) finden. Dazu gehört auch, von den Flüchtlingen zu erwarten, dass sie unsere Sprache lernen und unsere Werte achten.

 

            Ich habe in diesen Tage eigentlich nur vor den Menschen unter uns Angst, die schon jetzt ihr Urteil gesprochen haben, die ihre Sorgen und Ängste so groß gedacht und geredet haben, dass sie sich nur noch bestätigen können und die nicht bereit sind, auch etwas für sich selbst (und unsere Gesellschaft) in dem langen und schwierigen Prozess zu lernen,
in den wir uns alle in unserem schönen und vereinten Land gerade mehr und mehr hineinfinden.

 

Andreas Kühne-Glaser,

Pastor an St. Nikolai und Superintendent

des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

 

Andacht für die Schaumburger Zeitung vom 25.7.2015 von Sup. Andreas Kühne-Glaser

Meckerfreie-Zone.de

 

Ach, Fehler machen wir doch alle - und das ständig! Vergangenen Dienstag hatte ich meinen Wagen recht unglücklich geparkt um schnell in einem Hauseingang zu verschwinden und etwas Schweres abzuholen. Drinnen kam ich einen Moment ins Gespräch und vergaß darüber die Zeit und natürlich das Auto. Draußen hupte es plötzlich. Ich eilte hinaus und mich empfing ein aufgebrachter Fahrer: "... wie ich denn mit meinem Wagen einfach so die Fahrbahn versperren könnte!" Ich bat um Entschuldigung mit dem Hinweis, dass es knapp wäre, aber mit etwas Geschick würde man da noch vorbei kommen. Na ja, die Antwort war vielleicht nicht so geschickt. Sie brachte den Mann noch mehr in Rage: "Als ob ich ihm nun die Schuld...."

Bei der Weiterfahrt dachte ich: Warum neigen wir zumeist - wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte - eher dazu, uns sofort darüber aufzuregen, statt mit etwas Gelassenheit und Barmherzigkeit dem Verursacher zuzugestehen, dass er - wie wir selbst - auch mal etwas übersieht, die Zeit vergisst, einen Fehler macht, oder - trotz bester Absicht - einfach mal "Mist baut". Es würde das Leben soviel einfacher und gesünder machen, wenn wir uns nicht immer gleich aufregen würden.

Dabei fiel mir dann die Aktion des Flensburger Pastors Klaus Guhl ein. Unter dem Motto: "Für ein besseres Leben in einer besseren Welt" hat er vor drei Jahren von einem amerikanischen Theologen die Aktion „Meckerfreie Zone“  übernommen. Einundzwanzig Tage und mehr ohne das alltägliche Gemeckere, Gemotze, Gejammere und Getratsche, in dem gerade wir Deutschen so besonders gut sind, weil wir immer viel lieber auf das sehen, was nicht in Ordnung ist, als auf das, worüber wir uns freuen könnten.
Das Dreiwochentraining ist ganz einfach: Sie tragen irgendein leichtes Armband – Guhl selbst verkauft kleine Plastikarmbänder für einen Euro – und immer wenn Sie sich beim Meckern, Jammern oder Tratschen über jemanden oder etwas erwischen, wechseln Sie das Armband auf die andere Seite. Das sind sie dann spätestens nach drei Wochen so leid, dass sie diese lebensfeindlichen Praxis auf eine für Ihre geistige und geistliche Gesundheit erträgliches Maß geschrumpft haben.

Klaus Guhl begründet den Fortschritt indem er sagt: „21 Tage braucht ein Huhn vom Ei zur Geburt. Nach 21 Tagen hat sich das Gehirn an neue Routinen gewöhnt.“ Und weiter: „Wer mitmacht kann nichts verlieren, aber viel gewinnen: Sich selbst!“

So einfach ist es gesünder zu leben. Und ich ergänze: So einfach ist es Gottes Willen zu tun, sprich, so barmherzig miteinander umzugehen, wie er es mit uns tut. Er will ja nichts Schlechtes für uns. Und er weiss, dass unsere Worte nicht nur unsere Gedanken spiegeln. Sie gestalten auch ganz konkret diese Welt. Und ständiges Gemeckere und Gejammere ist Gift für die eigene wie für die fremde Seele. Das bringt uns keinen Schritt weiter, was immer wir denken und tun. Und krank macht kann es einen leider auch noch. Also: "Weniger Meckern - mehr Barmherzigkeit" für eine bessere Welt.

Mehr dazu im Internet unter „www.Meckerfreie-Zone.de“.

 

Andreas Kühne-Glaser, Pastor an St. Nikolai Rinteln und Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

 

An(ge)dacht für das Schaumburger Wochenblatt vom 4.7.15 von Pastor Falk Nisch, Beckedorf

Höchste Zeit

Die Nachrichten und Bilder der letzten Zeit sind nicht beruhigend: Forscher warnen vor einem Artensterben durch Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung und Waldrodung, an deren Ende sogar die Menschheit in ihrem Überleben bedroht sei. Giftige Pflanzenschutzmittel in der Muttermilch und unserem Grundwasser sowie verzweifelt nach menschenwürdigem Leben suchende Flüchtlinge zeigen, dass sich unsere Welt in einer Schieflage befindet. Politiker und Verantwortliche mühen sich, keine Frage. Aber es ist höchste Zeit, dass mehr passiert, um unseren Planeten und nicht nur den Euro zu retten.

Die Bibel kennt sich mit Schieflagen gut aus. Sie ist ein Dokument über menschliche Fehlversuche und Irrwege. Aber sie kennt auch einen Ausweg aus diesen Schieflagen: die Umkehr. Umkehr ist kein leichter Weg. Aber in der Bibel wird Mut gemacht, diesen Weg zu gehen, weil am Ende für den Umkehrenden, seine Mitmenschen und seine Umwelt immer etwas Gutes herauskommt. Die wohl bekannteste Umkehrgeschichte der Bibel vom verlorenen Sohn zeigt, dass am Ende das Leben gewinnt: Der Sohn steht am Abgrund und erkennt, wie weit er sich vom Leben entfernt hat. Er ist kurz davor es zu verlieren. Da erinnert er sich, wie gut es zuhause bei seinem Vater war. Ihn hatte er eigentlich abgehakt. Es ist ihm peinlich, zum Vater zurückzukommen. Aber er überwindet seine inneren Widerstände und kehrt tatsächlich um. Die Schritte sind nicht leicht. Wird die Versöhnung gelingen? Als der Vater den Sohn sieht, läuft er ihm entgegen, schließt ihn voller Freude in seine Arme und sie feiern ein Fest des Lebens, weil der Sohn beinahe umgekommen wäre.

Wir können Schritte der Umkehr gehen: Mit unserem Kaufverhalten haben wir Einfluss und können fairen Handel und umweltschonende Produktion fördern. Durch Verzicht können wir entdecken, dass weniger mehr ist und Verzicht nicht nur dem Bauchansatz gut tut, sondern auch Freude macht. Es sind bestimmt auch Schritte dabei, die nicht leicht fallen. Aber auf diesem Weg werden wir entdecken, wieviel Reichtum uns täglich geschenkt ist und wie gut der Vater im Himmel, unser Schöpfer, es mit uns und mit dieser Welt meint. Es ist höchste Zeit umzukehren, damit wir das Fest des Lebens nicht verpassen.

 

Angedacht im Schaumburger Wochenblatt vom 30.5.15 von Pastor Dirk Gniesmer, Rinteln

Juden

Vielleicht ist es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ja gar nicht aufgefallen: am vergangenen Mittwoch mussten Sie auf die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg verzichten. Wie immer am Mittwoch nach Pfingsten waren wir zur Generalversammlung nach Hannover. Unser Thema: „Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Orientierungspunkte für eine Neugestaltung des christlich-jüdischen Verhältnisses.“ Unser Auftrag: von den Ergebnissen weiterzuerzählen.

Angesichts der schlimmen Geschichte christlicher Judenfeindschaft und auch angesichts aktueller antisemitischer Tendenzen bleibt das Thema aktuell. Aber es ist auch eine Neubesinnung für ein verändertes Miteinander im Gange.

Deutlich ausgedrückt wurde dies vor eineinhalb Jahren durch eine Erweiterung der Verfassung der hannoverschen Landeskirche. Mithineingenommen wurde nun folgende Aussage: „Die Landeskirche ist durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden. Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum.“

Über Jahrhunderte hinweg war es anders: statt von bleibender Erwählung war von Verwerfung der Juden die Rede. Man hielt sie für verblendet und von Gott gestraft, da sie Jesus Christus nicht als Messias anerkennen konnten.  Man profilierte den eigenen Glauben, indem man den anderen schlecht machte. So wurde mit schlimmen Folgen Wahrheit gegen Lüge, Erkenntnis gegen Verblendung, Liebesgott gegen Rachegott gesetzt.  All das muss überwunden werden.

Mit den Juden teilen wir uns wesentliche Teile der Bibel: das Erste Testament. Da können wir auch von jüdischer Auslegung lernen. Jesus Christus selber war Jude – das gilt es zu betonen.  Textstellen im Neuen Testament über „die Juden“ müssen aus ihrer damaligen Situation heraus verstanden und können nicht unverändert ins Heute übertragen werden. Und Martin Luther? Leider gibt es von ihm schlimme Aussagen, aber in früheren Jahren auch Texte, an die wir anknüpfen können.

All das bleibt Theorie, wenn es nicht auch zur Begegnung zwischen den Menschen kommt.  Da war es ein schönes Zeichen, dass Rabbiner  an der Versammlung und auch am Gottesdienst teilgenommen und dann auch in ihre Synagogen eingeladen haben.

Die Verfassungsänderung und auch diese Tagung waren wichtig. Aber sie sind nur Schritte auf einem noch langen Weg, auf den es viele mitzunehmen gilt.

 

Pastor Dirk Gniesmer, Johannis-Kirchengemeinde Rinteln

Andacht für die SZ zum 9./10. Mai 1915

Vergangenheit erinnern - Zukunft anders gestalten

 

Unter dieser Überschrift hat das Präsidium der "Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa" (GEKE) zum gestrigen 70. Jahrestag (8. Mai) des Endes des 2. Weltkriegs ein "Wort zur Orientierung" verfasst. In diesem wird der Millionen von Opfern von Krieg, Zwangsarbeit, Flucht und Vertreibung im Zusammenhang der furchtbaren Schrecken jener Zeit und ihrer Folgen gedacht. Zugleich bringt es die Dankbarkeit über Gottes Geschenk des Neuanfangs nach dem Krieg und infolge der Überwindung der Nachkriegsspaltung in Europa zum Ausdruck. Und es blickt auf aktuelle Entwicklungen. Zitat: "Die gewachsene, sicherlich nicht vollendete und derzeit auch gefährtete Einheit Europas .... enthält aber auch die Aufgabe inmitten der komplexen Veränderungsprozesse weltweit, sich gemeinsam europäisch für eine friedliche und gerechte politische Gestaltung der Welt einzusetzen."

Was hier richtig aber mit vielen Worten formuliert wird, bringt der biblische Psalm 34, 15 viel direkter und klarer als Auftrag an uns alle zum Ausdruck: "Lass vom Bösen und tue Gutes; suche den Frieden und jage ihm nach!"

Allen, die Mühe haben, sich immer wieder erinnern zu lassen und denken oder sagen: "Hört doch endlich auf, uns immer wieder mit den Gräueltaten der beiden Weltkriege zu konfrontieren!", will ich hier sagen, was Erinnern für mich bedeuten.

Ich nehme die Ereignisse in der Vergangenheit natürlich auch dazu, um über die Schuld meiner Vorfahren sowie meine eigene Verführbarkeit nachzudenken. Damit - und das ist das Entscheidende - sind sie mir aber vor allem eine deutliche Mahnung, dass der Friede, den wir nun schon seit 70 Jahren in unserem Land und in vielen Teilen Europas erleben dürfen, absolut keine Selbstverständlichkeit ist. Das zeigt uns unter anderem auch die große Zahl der Staaten auf dieser Welt, die weder nach demokratischen Grundregeln regiert werden noch die Menschenrechte achten. Frieden - so wie wir ihn kennen - ist eine große Errungenschaft, die wir auch den Völkern dieser Welt zu verdanken haben, die massgeblich (und unter Einsatz des Lebens ihrer Angehörigen) dazu beigetragen haben, dass wir den 8. Mai als "Tag der Befreiung" sehen und feiern können.

Seit 70 Jahren wollen wir selbst zu diesen Völkern gehören und nach Innen wie nach Außen "dem Frieden nachjagen" wie es der Psalm sagt. Wir wollen dies auch deshalb, weil wir in wachsendem Maß auf dieser Welt sehen, wie zerbrechlich dieser Frieden nach wie vor ist und wieviel in einem Land dazu gehört und gebraucht wird (Überlegen Sie bitte mal, was das alles ist!), dass Menschen in Gerechtigkeit und Frieden und einem gewissen Maß an Wohlstand miteinander leben können - und dies auch noch weitmöglichst im Einklang mit der Natur, deren Teil wir selbst sind.

Erinnern ist also viel mehr, als zurückzublicken oder alte Wunden aufzureißen. Erinnern ist in seiner wirklichen Bedeutung immer vorwärtsgerichtet und ein Blick in die Zukunft im Sinne der Wahrnehmung eigener Verantwortung: "So soll es nie mehr sein und werden und wir tun alles dazu, dass die Vergangenheit sich nicht alter oder neuer Form wiederholt". Frieden zu schaffen und zu halten ist ein aktiver Prozess, der jeden Tag wieder neu eingeübt und getan werden muss und - vermutlich ist das so - darin auch von jeder Generation wieder neu gelernt werden muss.  Daran will ich uns erinnern.

 

Andreas Kühne-Glaser, Pastor an St. Nikolai Rinteln und

Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

Andacht im Schaumburger Wochenblatt für Ostern 2015


"Bei uns ist alle Tage Ostern, ...

 

.... nur dass man einmal im Jahr Ostern feiert!" So Martin Luther (1483-1546) über den Alltag seines Lebens, das er im Glauben an den zu Ostern vom Tod auferstanden Christus gelebt hat. Auch im Blick auf die vielen Werbeblätter, die auch in diesem Wochenblatt wieder liegen, habe ich immer die Hoffnung, dass für uns der eigentliche Grund dieses Festes nicht hinter allen Osterhasen, Ostereiern und sonstigen Geschenken, die wir uns zu diesem Fest machen, verschwindet. Gerne wird - auch im Bezug zu unseren ihren Glauben praktizierenden muslimischen Mitbürger - darüber geklagt, dass die Hauptreligion unseres Kulturkreises immer mehr verblasst und schon einfache Grundkenntnisse über das Christentum bei manchen Menschen nicht mehr vorhanden sind. In der Tat ist unsere Gesellschaft "atheismusfähig" (F. Steffensky) geworden. Religion gehört schon lange nicht mehr selbstverständlich dazu. Es geht offenbar auch gut ohne sie.
Ich möchte uns und Ihnen zum Osterfest Mut machen, diese beiden Ostertage nicht ohne einen Gottesdienstbesuch verstreichen zu lassen. In unserer Gesellschaft, die alles und jedes bis ins Letzte transparent machen und aufdecken möchte (damit übrigens auch kontrollier- und lenkbar) feiern wir zu Ostern eines der wenigen uns noch gebliebenen großen Geheimnisse.  Es ist das Geheimnis einer Kraft, die - so erzählt es die Bibel - sogar den Tod überwinden kann. Sie wird mit und ohne Bezug zu Gott von uns tagtäglich besungen und beschworen. Natürlich, es ist die Liebe! Haben wir sie zum Weihnachtsfest schon hochgehalten, zeigt sie im Osterfest ihr göttliches Gesicht in ihrer größten Wirkkraft.
Der in Jesus Christus auf die Erde gekommen Gott lässt sich auch nicht durch Hass und Demütigungen davon abhalten, weiter an seiner Liebe zu den Menschen festzuhalten.
Das hält ihn bei seiner Hinrichtung nicht nur von Gegenwehr ab, diese Kraft trägt ihn auch durch den Tod hindurch zu seiner Auferstehung. Das haben damals nach seinem Tod viele Menschen erleben dürfen, die Jesus ihr Vertrauen geschenkt haben. Und immer noch viele tun es auch heute noch.
Ich kann versuchen, dies in Worte zu fassen und doch ist und bleibt es ein letztlich unfassbares "Geheimnis des Glaubens" (wie unsere kath. Freunde es beim Abendmahl immer wieder sagen), das man nur ganz persönlich an eigenem Leib (dereinst) und eigener Seele (mitten im Leben) erfahren kann.

In den Ostergottesdiensten öffnen wir uns für dieses Unfassbare und erbitten es für unser Leben und für alles, was dieses Leben oft so eng und schwer macht. Und um es diesem Geheimnis leichter zu machen, Zugang zu uns finden, wird es in den Osternachtsgottes-diensten vor dem Sonntag zu einer Feier vom Dunkel ins Licht zelebriert, oft mit wunderbarer Musik, viel Symbolik und mit Taufen und Abendmahl.  Lassen Sie sich das nicht entgehen und sehen mal nach, was die Kirchengemeinde in Ihrer Nähe anbietet.

Vielleicht wird es ein kleiner Schritt weiter auf dem Weg dahin, dass Sie selbst wie Martin Luther sagen können:  "Bei uns ist alle Tage Ostern!"

 

Ein frohes Osterfest wünscht Ihnen

Andreas Kühne-Glaser, Superintendent in Rinteln

Andacht von Sup. Andreas Kühne-Glaser in der Schaumburger Zeitung vom 28.2.15

"Kirchenasyl"
Nun hat unsere Bundesinnenminister Thomas de Maizière seine Äußerungen zum "Kirchenasyl" relativiert, den unglücklichen Scharia-Vergleich zurückgenommen und Bedingungen genannt, unter denen er auch in Zukunft das "Kirchenasyl" akzeptieren kann. Mir ist es an dieser Stelle wichtig, ein paar Dinge klarzustellen. Das "Kirchenasyl" gibt es rechtlich gar nicht, es hat also keinen eigenen Rechtsstatus. Es ist nichts anderes als ein vom Staat in den meisten Fällen geduldeter Akt der Barmherzigkeit, den Christenmenschen aus ihrem Gewissen heraus Menschen gewähren, die ihrer Ansicht nach bei einer Abschiebung in große Not kommen. Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche" schreibt dazu: "Kirchenasyl ist die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus, denen bei Abschiebung in ihr Herkunftsland Folter und Tod drohen oder für die mit einer Abschiebung nicht hinnehmbare soziale, inhumane Härten verbunden sind. Während des „Kirchenasyls“ werden alle in Betracht zu ziehenden rechtlichen, sozialen und humanitären Gesichtspunkte geprüft. In vielen Fällen gelingt es nachzuweisen, dass Entscheidungen von Behörden überprüfungsbedürftig sind und ein neues Asylverfahren erfolgversprechend ist. In allen Fällen werden die Behörden und Gerichte über den Aufenthalt unterrichtet."
Hintergrund des "Kirchenasyls" ist die Erfahrung, dass auch eine in bestmöglicher Verantwortung wahrgenommene staatliche Rechtssprechung Fehler machen bzw. Dinge übersehen kann, die dazu führen, dass Menschen in große Not kommen. Da ein selbstkritischer (und damit starker) Gesetzgeber auch um die Möglichkeit eigener Fehler weiß und zugleich bei Christen, die ein Kirchenasyl organisieren, eine hohe moralische und soziale Kompetenz nicht nur voraussetzt sondern sie darin auch achtet und wertschätzt, hat er bislang in den allermeisten Fällen von "Kirchenasyl" nicht polizeilich eingegriffen und/oder ein Strafverfahren gegen die Kirchengemeinden bzw. ihre Verantwortlichen in Gang gesetzt. Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD Wolfgang Huber geht darum auch soweit zu sagen: "Kirchenasyl ist kein Bruch geltender Gesetze, sondern ein Dienst am Rechtsstaat."
Auch ich sage: In keinem Fall darf ein "Kirchenasyl" dazu dienen, bestehende Gesetze bewusst zu brechen. Es ist aber eines freien demokratischen Rechtsstaates als geduldetes Mittel der Kirchen unbedingt würdig, weil es in der Tat immer wieder vorkommt, dass in Einzelfällen Fehler gemacht werden und Menschen zu schnell und ohne Berücksichtigung aller zu beachtenden Gegebenheiten in große Gefahr für Leib, Seele und Leben abgeschoben werden.
"Kirchenasyl" wird immer die Ultima Ratio sein und bleiben müssen. Das zeigen nicht nur die Zahlen: 2014 gab es bei ca. 200.000 nach Deutschland kommenden Flüchtlingen bundesweit rund 500 "Kirchenasyle", das sind 0,25% aller Asylsuchenden. Wer einmal selbst erfahren hat, wieviel personeller und ideeller Aufwand in einer Kirchengemeinde notwendig ist, damit Menschen über einen längeren Zeitraum verlässlich und unter ihnen würdigen Bedingungen Aufenthalts- und Schutzraum gewährt werden kann, der wird sehr schnell erkennen, dass hier nur in äußerst seltenen Fällen diese Duldung des Staates missbraucht wird. Die aktuell geplanten Gesetzesänderungen (Verlängerung der Rücküberstellungsfrist) werden die Durchführung von "Kirchenasylen" in Zukunft noch schwerer machen.
In einer Welt, in der aktuell 57 Millionen Menschen auf der Flucht sind, brauchen wir weniger Verbote aber dafür sehr viel mehr Hilfen. Neben einer größeren Bereitschaft Flüchtlinge aufzunehmen ist es auch höchste Zeit, Zuwanderung über ein Einwanderungsgesetz aktiv zu gestalten.


Andreas Kühne-Glaser, Pastor an St. Nikolai Rinteln und
Superintendent des Ev.-luth Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

Angedacht für das Schaumburger Wochenblatt vom 7.2.15 von Pastor Dirk Gniesmer

Auge um Auge

Da wird jetzt Politik gemacht nach dem biblischen Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, so habe ich es am Mittwoch gleich zweimal gehört: morgens in den Radionachrichten und abends im Kommentar der Tagesthemen. Worum ging es? Da war der abscheuliche Mord an dem gefangenen jordanischen Piloten durch die Terrorgruppe der IS.  Das wurde in Jordanien umgehend mit der Hinrichtung zweier Inhaftierter beantwortet. Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Das Wort spielt an auf eine biblische Gesetzesbestimmung aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 21,Vers 24. Diese ist sprichwörtlich geworden. Aber dennoch wird sie fast nie richtig verstanden. Im Gegenteil gilt sie als Ausdruck eines „archaischen“ (so gesagt in den Tagesthemen) Racheprinzips. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Da geht es keinesfalls um die Anweisung, dass ein Geschädigter es dem Täter mit gleicher Münze heimzahlen soll, Gleiches mit Gleichem vergelten soll. Angesprochen ist vielmehr der Täter. Nicht das Opfer soll sich nehmen, sondern der Täter soll geben – und zwar eine angemessene Wiedergutmachung in dem angerichteten Schaden entsprechender Höhe. Es geht um eine geregeltes Verfahren für eine Ersatzleistung. Der Täter soll es geben „durch die Hand der Richter“ (Vers 22).

Dort aber, wo ein Geschädigter sein Recht selber in die Hand nimmt und Vergeltung übt, das wird zumeist die Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, denn jede Rache fällt immer größer und schlimmer aus. Im oben genannten Beispiel haben sich ja die Geschädigten ihr vermeintliches Recht zur Rache genommen und für ein Todesopfer nun gleich zwei Menschen sterben lassen.

Was hier im Nahen Osten und mit seinen Auswirkungen immer mehr auch uns in Europe erreichend passiert, lässt sich also nicht mit dem biblischen Sprichwort beschreiben. Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn es angewendet würde…

Noch ein Gedanke dazu: oft wird das Prinzip Auge um Auge als alttestamentlich-jüdisch der neutestamentlichen-christlichen Nächstenliebe entgegengestellt. Auch das ist falsch, denn das Gebot der Nächstenliebe stammt ebenfalls aus dem Alten Testament, nämlich dem 3. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 18. Im selben Kapitel findet sich übrigens ein für unsere Zeit höchst aktuell wirkendes Gebot: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt  in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland (oder aktualisiert: Flüchtlinge gewesen aus Ostpreußen, Schlesien oder Migranten aus Sibirien oder Kasachstan). 

Statt Schlagworte zu zitieren, bringt ein genaueres Lesen der biblischen neue Entdeckungen. Das hilft auch dagegen, die Religionen zum Terror zu missbrauchen.

Pastor Dirk Gniesmer, Johannis-Kirchengemeinde Rinteln

Andacht von Pastor Falk Nisch im Schaumburger Wochenblatt vom 17.1.2015

Herausforderung

Das Bibelwort für 2015 ist eine echte Herausforderung: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Die Ereignisse der letzten Woche aus Paris haben uns drastisch vor Augen geführt, welch schreckliche Folgen Intoleranz und Hass mit sich bringen. Die Jahreslosung ruft dazu auf, den Mitmenschen anzunehmen. Sie ist eine Aufforderung, Toleranz, Akzeptanz und die Einheit in aller Verschiedenheit zu wahren und zu leben, um Streit und Ausgrenzung zu vermeiden. Das ist eine Herausforderung, weil es nicht einfach ist, den anderen mit seinen nervenden Seiten anzunehmen oder die andere mit der von meiner Meinung abweichenden Überzeugung zu tolerieren. Konflikte entstehen schnell, wenn dies nicht gelingt. Das war damals so, als Paulus die Worte der Jahreslosung an die Gemeinde in Rom richtete, wo zwei Gruppen sich um die Rechtgläubigkeit stritten und die Gemeinschaft daran zu zerbrechen drohte. Und es ist heute so, dass mangelnde Toleranz und das schnelle Verurteilen anderer das Zusammenleben von Menschen in Ehen, Familien, Gemeinden, Staaten und Staatengemeinschaften bedrohen.

Psychologen haben herausgefunden, dass immer dann, wenn uns ein Mensch besonders aufregt, wir mit unseren eigenen Schwächen konfrontiert werden. Menschen, deren Eigenarten mir schwerfallen, könnten zum Wegweiser zu den eigenen Schwächen werden: Der Geizige, über den man sich aufregt, könnte einem das eigene Haften am Materiellen zeigen. Die nervende Vorlaute könnte einen zu dem Wunsch führen, sich öfter mutig zu Wort zu melden und helfen, die Angst wahrzunehmen, die daran hindert. Und Flüchtlinge, deren Zuzug manche Menschen in unserem Land beunruhigen, könnten einem die Augen für eigene Ängste vor Neuem und vor Veränderung öffnen.

So könnte das neue Jahr mit allen Herausforderungen durch unsere Mitmenschen eine Hilfe sein, sich selbst auf die Schliche zu kommen und eigene Schwächen zu entdecken. Christus nimmt uns mit unseren Schwächen an. In der Taufe ist dies sichtbar geschehen und im Abendmahl können wir immer wieder erleben, dass Gott die Gemeinschaft mit uns sucht - trotz unserer Schwächen und Fehler. So von Gott in die Arme geschlossen, wird es leichter fallen, sich selbst und auch andere anzunehmen.

Die Gewalttaten von Paris sind auf das Schärfste zu verurteilen. Die friedlichen weltweiten Demonstrationen von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion als Reaktion darauf haben auf bewegende Weise die Bereitschaft von Menschen gezeigt, sich annehmen und respektieren zu wollen. Es bleibt eine Herausforderung, dies im eigenen Leben und Umfeld umzusetzen. Aber genau dazu ermutigt das Bibelwort für 2015, uns selbst und dieser Welt zum Wohl und Gott zum Lob.

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

Weihnachtspredigt von Sup. Andreas Kühne-Glaser

Predigt am Heiligen Abend 2014 vor (17.00 Uhr) und in (18.00 Uhr) St. Nikolai Rinteln

 

Liebe Menschen am Heiligen Abend 2014,

 

es ist gut, dass Sie gekommen sind, sich aufgemacht haben aus Ihren Wohnungen und Häusern zu ihrer, dieser Nikolaikirche zum Gottesdienst!
Es gibt ja tatsächlich nicht so viele Orte, an denen wir uns Frieden und Geborgenheit, ja, und auch Sicherheit erhoffen. Und dazu eine Botschaft, die wirklich nur Gutes verheißt. Besonders zu Weihnachten. Denn, ja, dies Fest soll wieder schön sein und werden!

Vielleicht haben wir zu keiner Zeit im Jahr mehr den Wunsch nach Harmonie und Frieden. Und vielleicht merken wir auch zu keiner Zeit deutlicher, wie sehr beides gefährdet und brüchig ist. Vor allem am Ende eines Jahres wie es dieses war.

Mehr und häufiger als in den Jahren davor habe ich mich in den vergangenen 12 Monaten gefragt, was das für eine Welt ist, in der wir leben. Und sie ahnen es, ich denke jetzt nicht an die von uns - nein, die von unserer Mannschaft gewonnene Fußballweltmeisterschaft. Ich habe vor allem bei den dunklen Seiten des Lebens das Gefühl, es ist alles noch extremer geworden. Zum Beispiel in der Intensität und in der Häufigkeit, in der zu Gewalt gegriffen wird - zwischen Völkern aber auch zwischen Individuen. Zudem ist die Bereitschaft weiter gewachsen, Ordnungen, Verträge und Regeln des Miteinanders zu brechen. Völkerübergreifend aber auch innergesell-schaftliche und individuell. Darunter sind viele geschriebene und ungeschriebene Regeln der Menschlichkeit, die ein friedliches Miteinander erhalten - sie brechen weg. Es gibt keine Tabus mehr und die, die sie nicht mehr haben, scheinen einem die menschliche Gemeinschaft zerstörenden Heilsverständnis erlegen zu sein, das jegliches Maß an Wertschätzung für den Menschen und die Würde seines Lebens verloren hat.

In Pakistan wurden vor Kurzem durch eine Gruppe von Taliban über 130 Kinder erschossen. Was sind das für Menschen, die so handeln? Sind das noch Menschen? Ja, aber es fällt mir sehr schwer, sie als solche wahrzunehmen. Aber ich bin auch genauso entsetzt, wie der pakistanische Staat jetzt darauf reagiert. Es ist nicht besser, Terroristen durch die Todesstrafe zu töten.

Oder dieser unfassbare Terror einer Organisation, die sich Islamischer Staat nennt und sich - so der Publizist Jürgen Todenhöfer aus Gesprächen mit ihr, vorgenommen hat, eine - wie sie es nennen - religiöse Säuberungsaktion durchzuführen, bei der in den nächsten Jahren - erschrecken Sie ruhig - über 100 Millionen von Menschen zunächst im arabischen Raum - getötet werden sollen.
Ich sage das auch deutlich und in Wertschätzung für den Glauben der allermeisten unserer muslimischen Mitbürger in unserem Land, die ebenso erschrocken über die IS sind wie wir:

Die großen Weltreligionen propagieren keinen Gott, der will, dass für den Glauben an ihn Gewalt angewendet und Menschen getötet werden.

Wenn Menschen dies tun und die Schriften ihrer Religion - die nicht immer leicht zu verstehen sind - so auslegen, dann pervertieren Sie den Namen Gottes zutiefst. Ebenso wie sie ihn pervertieren, wenn sie glauben als Selbstmordattentäter zu Märtyrern zu werden.

Das ist eine völlige Umkehr von Märtyrertum, das ja gerade beinhaltet, dass Gewalt erduldet wird und nicht mit Gegengewalt beantwortet wird.

Der Grundgedanke ist dabei, dass allein Liebe, Wertschätzung und Anerkennung Menschen und Verhältnisse verändern kann, aber nicht irgendeine Form von Gewalt.

Genau so und nicht anders hat Christus, das Kind, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern, dieser Welt Heil gebracht. Wenn er auch nur einmal mit irgendwelchen himmlischen oder irdischen Herrscharen gedroht oder seine Feinde angegriffen hätte, wir würden heute hier nicht stehen bzw. sitzen.

Seine Kernbotschaft, die Botschaft der unbedingten und gewaltfreien Liebe für die Menschen, sie wäre unglaubwürdig geworden.

Und das, was dann noch an Liebe für die Menschen übrig geblieben wäre, es hätte nicht zur Auferstehung Christi gereicht. Sie wissen: Ohne Ostern, ohne die Auferstehung, gäbe es keine Weihnachten. Dem Knirps in der Krippe jubeln wir nur zu, weil seine Liebe zu uns auch durch seinen Tod nicht totzukriegen war und ist. (Wiederholen) 

So einfach ist das und doch oft so schwer zu begreifen und noch schwerer zu glauben.

 

Aber zurück zu unserem Leben. Ich bin nicht naiv, ich weiß, es geht oft nicht ohne das Mittel der Gewalt - aber es kann immer nur das allerletzte Mittel sein, weil es das wirklich aller, aller schwächste ist um dauerhaft und nachhaltig unter Menschen Frieden zu stiften.
Jede Form von Gewalterfahrung, besonders die im Krieg, schlägt über Generationen hinweg Narben in den Seelen der Menschen.

 

Ich denke dabei heute Abend auch an den Dienst unserer Soldatinnen und Soldaten, die jetzt irgendwo auf dieser Welt Weihnachten feiern. Viele von ihnen kommen traumatisiert von ihren Einsätzen z.B. in Afghanistan zurück. Es kann Menschen zutiefst verändern, wenn Sie Gewalt erleben und sich doch verpflichtet haben, sie im Notfall selbst auszuüben, um Gewalt von anderen zu stoppen, wenn keine anderen Mittel mehr greifen. Für unsere Soldaten da zu sein ist auch ein unbedingte Aufgabe unserer Gesellschaft. Denn sie schützen auch das, was uns an Werten heilig ist und sie sind bereit, dafür ihr Leben zu geben im Einsatz nicht gegen die Menschen sondern für die Menschen.

 

Viele von uns blicken im Augenblick mit Erschrecken auf die Pegida Demonstrationen vor allem im Osten unseres Landes. Mir selbst tut es in der Seele weh, wenn ausgerechnet in den Gebieten, in denen der Anteil an Menschen aus anderen Ländern und Religionen am niedrigsten ist, gegen eine weitere Zuwanderung sowie Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert wird.

 

Wissen Sie, wo im Vergleich zur Gesamtbevöl-kerung in Deutschland die meisten Muslime leben und das gut und friedlich und mitten in dieser Gesellschaft? Ja, hier in unserem Landkreis in unserer Kreisstadt Stadthagen. Der Anteil Ihrer Glaubensgemeinschaft entspricht mit 14 % etwa auch ihrem Anteil an der Bürgerschaft dieser Stadt. Bundesweit beträgt der Anteil von Muslimen an der Bevölkerung im Durchschnitt 4,5%. In Dresden sind es nur ganze 0,4 %!

 

Wie ungeübt scheinen die Bürger dort im Umgang mit Menschen aus anderen Ländern, Kulturen und Religionen zu sein? Und was sind das für diffuse Ängste? Sie suchen doch ganz offensichtlich nach Werten, die Bestand haben, die Heimat und Sicherheit geben in einer Welt, die sich in ihren Ordnungen immer mehr aufzulösen scheint. Christliche Lieder haben viele von ihnen gerade vorgestern Abend noch in der Tagesschau gesungen. Wohl um sich ihrer eigenen Wurzeln und Kultur zu vergewissern. Aber solche Lieder kann man nicht gegen etwas oder jemanden singen. Das Kind in der Krippe lässt sich nicht instrumentalisieren. Es war mit seinen Eltern selbst mal auf der Flucht nach Ägypten vor einem totalitären Herrscher. Es steht auf der Seite derer, die in unserem Land Schutz suchen und es ist bei denen, die ihnen diesen Schutz gewähren.

 

Ich glaube, und das macht dieses Weihnachtsfest gerade nach diesem Jahr auch noch einmal zu einem besonderen Fest: Wir dürfen hier mitten in Europa nun schon seit 69 Jahren auf einer Insel der Freiheit und des Friedens leben. Und wenn nun die Welt immer dichter an uns heranrückt, weil so viele Menschen in so vielen Ländern gerade die Erfahrung des Verlustes von Freiheit und Achtung vor der Menschenwürde machen (und dazu gehört auch des Recht satt zu werden und Arbeit zu haben), dann können wir uns nicht abwenden.

Wir sind doch selbstbewusst. Wir sollten mit Hilfe all unserer Bildungs- und Kultureinrichtungen einander wieder richtig bewusst machen, welchen Schatz wir mit unserem Grundgesetz - es ist eines der besten dieser Welt - haben und zugleich - und das sage ich ganz bewusst - mit unserer christlichen Religion, die mit ihren Werten dieses Grundgesetz im Kern prägen. Das Christentum gehört zu unserer Identität und hat die Freiheit in diesem Land mitgestaltet und macht sie bis heute stark.

Und ich behaupte, auch darum sind Sie heute Abend hierhergekommen. Denn bei allem süßen Tand um diese Fest, bei aller Rührseligkeit, die wir ja auch brauchen - es ist letztlich Ihre und meine Hoffnung, dass wir in unseren christlichen Wurzeln, in unserer Religion etwas finden, was uns nicht mit - wie unser Bundespräsident es sagt - "angstgeweiteten Augen" auf die Welt sehen lässt. Nein, es soll uns helfen in ihr, in unserem Land und in unserem kleinen eigenen Leben mutig und aufrecht unsere Wege zu gehen: Mit offenen Augen für das Schöne, für die Vielfalt und Buntheit des Lebens aber auch für die Not, die uns dabei begegnet.

Für mich lässt sich ein Leben nicht wirklich leben ohne die Hoffnung, dass es etwas gibt, was über uns hinaus geht. Etwas, was unsere engen menschlichen Grenzen immer wieder aufbricht und in Freiheit weitet.

 
Mit diesem kleinen Gott in der Krippe in Bethlehem haben wir alles bekommen, was es braucht, um in dieser Welt zu bestehen und ihre Herausforderungen anzunehmen.

Der Glaube an ihn hält seit 2000 Jahren. Er hält, weil der auferstandene Christus unsichtbar in seinem Geist unter uns wirkt. Und er hält, weil das, was Christus gesagt und getan hat, so wohltuend anders ist, als so vieles, was wir Menschen oft zustande bringen.

 

Er läuft nicht weg, wenn Not ist. Er braucht keine Gewalt um sich durchzusetzen.

Er liebt alle Menschen, gleich welcher Herkunft und Hautfarbe sie sind.

Darum hat er auch keine Angst vor ihnen. Er stellt keine Bedingungen für seine Liebe.

Mit ihr macht er uns stark zum Leben. Wir sind etwas wert und müssen andere nicht abwerten.

Er weckt das Beste in uns und er hilft uns, mit unseren dunklen Seiten zurecht zu kommen.

Und er hat eine unglaublich eigene Ansicht von Stärke und Macht.

Er wirkt einfach dadurch, dass er ganz dicht an unserer Seite einer von uns geworden ist:

Ein Theologe hat das die "Zärtlichkeit Gottes" genannt. Er schreibt und damit schließe ich:

 

Welch eine Zärtlichkeit:

ein Gott, der bedürftig ist wie wir;

der das Glück der Freundschaft und der Liebe kennt wie wir;

der früh auf der Flucht ist wie viele von uns

und den das Leben aufs Kreuz legt wie andere auch.

Die pure Macht, Stärke und Größe

hat noch niemanden gerettet. (Fulbert Steffensky)

 

Liebe Menschen am Heiligen Abend,
dass Sie dies Geheimnis von Gottes Gegenwart in dieser Welt auch zu Weihnachten wieder entdecken und damit auch die tiefe Freude, die diese Fest in sich birgt.

Das wünsche ich Ihnen von Herzen!  AMEN

Andreas Kühne-Glaser

Angedacht für die SZ am 27.9.2014 von Sup. Andreas Kühne -Glaser

Luxusprobleme

 

Im Magazin einer großen deutschen Tageszeitung las ich jetzt vom Selbstversuch eines Redakteurs. Er hatte ein Luxusproblem, das sicher nicht alle, aber doch viele Menschen in unserer Gesellschaft kennen. Seine Schränke waren zu voll. Seine neuen Bücher konnte er nicht mehr angemessen unterbringen, obwohl er noch nicht einmal alle alten gelesen hatte.

Plötzlich beschlich ihn der Gedanke, er würde sich schon länger in seinem Konsumver-halten selbst "verarschen" (Zitat) und da er ein recht kompromissloser Mensch ist, beschloss er, ein Jahr lang nichts mehr zu kaufen, "was Platz in der Wohnung finden muss". Was er sich aber erlaubte, waren Lebensmittel, Theaterkarten, Skipässe, Zugtickets, also Lebensnotwendiges und Erlebnisse. Zu seiner Überraschung wurde es eine "harte Prüfung", besonders auf Reisen zum Beispiel nach Marokko, wo er fern von allen klassischen Konsumtempeln Dinge fand, die er sich wirklich gerne gekauft hätte. Stattdessen beschloss er zu Hause statt von einem neuen Lederhocker eher Geschichten von Erlebnissen z.B. aus dem Dampfbad zu erzählen. Wenn er etwas schenken wollte, dann nahm er selbstgebrannte CDs oder eben Karten für Konzerte und andere Veranstaltungen. Weihnachten traf er sich mit Freunden und Familie zum Essen und war froh, dass er nicht in übervolle Geschäfte musste. Ihm wurde nach und nach bewusst, wie sehr wir ständig von allen Seiten genötigt werden, etwas zu kaufen und es gewohnheitsmäßig dann auch tun. Der erste Effekt seiner "Kur": Das, was er hatte, stieg für ihn im Wert und er nahm es ganz neu wahr. Er las, was er noch nicht gelesen hatte und er hörte seine Plattensammlung mit ganz neuen Ohren. Und dann schreibt er: "Ich kann es nicht kleiner sagen: Mein Leben wurde freier, aber auch reicher. Denn ich sparte nicht nur eine Menge Geld, sondern gewann auch Zeit." Und dann empfiehlt er seinen gehetzten Kollegen, die auf das nächste Wellness-wochenende warten, doch weniger zu arbeiten. Dann gäbe es zwar auch weniger Geld, aber für die Erholung, die er nun erlebe, brauche man auch nicht soviel Geld. Dem Argument, er schade mit seinem Verhalten der Wirtschaft, entgegnet er, dass es - so habe es die Finanzkrise gezeigt - der Wirtschaft ja auch ziemlich egal sei, ob sie unser Geld vernichtet. Warum sollte man sie dann ankurbeln?

Schließlich fällt ihm auf, dass "der Kapitalismus außer sich selbst keinen Glauben, keinen Sinn, nur noch mehr Konsum" anbiete und einem ständigen Updatezwang seiner Produkte unterliegt, weil Besitz von etwas Neuem immer nur kurz befriedigt. Und dann ein Spitzensatz: "Niemand kommt als Konsument zur Welt, wir werden nur sehr früh darauf getrimmt, Nähe und Anerkennung mit der Anschaffung von Gütern zu verwechseln."

Ich weiß, das ist harsche Kapitalismuskritik. Andererseits wissen wir alle, dass die Ressourcen dieser Erde begrenzt sind und wir nicht mehr so weiter machen können.

Da ist es gut, sich beizeiten nach einem anderen Lebensstil umzusehen. Um so besser, wenn er noch dazu befriedigender und gesünder ist.

Am Ende können wir zu Gott eh nichts mitnehmen außer dem, was wir in der Gemeinschaft mit anderen Menschen erlebt haben und uns zu glücklichen Menschen gemacht hat.

 

Andreas Kühne-Glaser, Superintendent

Andacht von Pastor Falk Nisch im Schaumburger Wochenblatt vom 20.9.2014

Schatzsuche

Eines Nachts träumte der Jude Simon, er solle nach Prag wandern. Dort würde er unter einer Brücke einen Schatz finden. Der Traum kehrte immer wieder, und zuletzt packte er sein Bündel und zog los. Ratlos stand er schließlich vor der Brücke. Unmöglich konnte er hier graben! Bauern mit ihrer Ernte, Kaufleute und Frauen mit ihren Einkäufen zogen über die Brücke, und ein Hauptmann wachte über das Treiben. Jeden Tag kam Simon wieder und überlegte, was er tun solle. Schließlich fragte ihn der Hauptmann: „Was sucht du denn?“. Simon erzählte von seinem Traum. „Ach, wenn man darauf hörte!“, lachte der Hauptmann. „Ich träume schon wochenlang, ich solle nach Krakau wandern und dort unter dem Ofen eines armen Juden graben, dann würde ich einen Schatz finden.“ Sofort kehrte Simon um, wanderte nach Hause, nahm die Steine unter seinem Ofen heraus und fand dort seinen Schatz.
An vielen Orten unseres Landreises werden zur Zeit Erntefeste gefeiert. Wir feiern, weil unsere Erde lebensnotwendige Obst-, Gemüse- und Getreideschätze hervorgebracht hat. Angesichts der vielen Krisen unserer Erde und der erschreckenden Nachrichtenbilder von Krieg, Hass, Hunger, verzweifelten Bootsflüchtlingen und Klimakapriolen ist mir das Feiern in diesem Jahr nicht leicht gefallen. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, wäre der falsche Weg. Wir dürfen nicht aufhören, von einer besseren Welt zu träumen. Wir dürfen nicht aufhören, nach neuen Wegen zu suchen. Simon hat seinem Traum vom Schatz nicht aufgegeben. Auch nicht, als der Hauptmann ihn auslachte. Die Stimme des Hauptmanns, die Träume kleinredet, kennen wir alle in uns. Simon hat sich trotzdem nicht vom Weg abbringen lassen.
Schätze sind nicht leicht zu finden. Aber ein Weg, sie zu entdecken, liegt im Danken. Danken erdet den Menschen, holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück und lässt ihn erkennen, dass er ein Empfangender ist. Das Danken für mein täglich Brot, meine Gesundheit, für Freunde und Familie hilft die Schätze zu heben, die vor meinen Füßen und nicht in weiter Ferne liegen. Als dankbarer und von Gott beschenkter Mensch werde ich den Traum von einer Welt nicht aufgeben können, in der alle Geschöpfe zu ihrem Recht kommen. Im Danken fange ich an, dieser anderen Welt Raum zu geben.
In zwei Wochen am 5. Oktober feiern wir in allen Kirchen das Erntedankfest. Eine Gelegenheit zum Mitfeiern und Danken.

Pastor Falk Nisch

Andacht von Pastorin Dayana Hawkins im Schaumburger Wochenblatt 24.8.2014

„Schuhe aus!“

Ihre Stimme schrillte bereits, obwohl ich noch nicht in der Wohnungstür stand. „Ich habe frisch gewischt! Und die Fenster habe ich auch alle geputzt und Deine Hemden gebügelt. Und jetzt lass mich mal vorbei, die Waschmaschine ist nämlich fertig. Essen gibt es dann um sechs.“ Sie schob mich mit dem Wäschekorb zur Seite: „Ach so, hallo Schatz, wie war ´s auf der Arbeit?“ schmatzte sie mir ´nen Kuss auf die Wange und verschwand in die Waschküche. Ich seufzte, legte meinen Mantel ab, stellte die Tasche ab: „Erstmal ´n Kaffee“. Ich machte mir einen schnellen Nescafe und setzte mich auf das rote Sofa in unserer Küche. Dort sitzen wir immer, wenn wir es gemütlich haben wollen – in aller Ruhe essen, reden, gemeinsam und miteinander. Sonntags zum Beispiel, da gibt es meistens Zeit für Zweisamkeit. In der Woche muss es schnell gehen, da ist es schon etwas Besonderes, wenn wir uns überhaupt bei den Mahlzeiten an unserer Küchentheke begegnen. Ach, wie sich das alles verändert hat. Seit wann eigentlich; ob es damit zusammenhängt, dass sie wieder angefangen hat zu arbeiten?

Wie schön war es doch, als wir Zeit füreinander hatten. Nicht, dass wir jetzt keine hätten, nur anders war sie diese Zeit – damals. So ungezwungen und frei; ganz verspielt und statt Wäsche aufhängen, haben wir lieber die Musik aufgedreht und getanzt oder sind sonntags noch mal ins Bett gegangen nachmittags…Dann hat eben keiner Essen gekocht, sondern wir sind zu unserem Lieblingsitaliener gegangen. Egal, wenn das Gemüse im Kühlschrank welk wurde und womöglich im Kompost endete.

Heute regt sie sich darüber auf `ein Ding der Unmöglichkeit und was für eine Verschwendung und Umgang mit Lebensmittel´ - dazu dann ihre schrille Stimme….

„Schuhe aus!“ Sie platzte in die Küche. Ach je, die Schuhe …. hab ich ganz vergessen. Ich stand auf, nahm sie in die Arme: „Mein Herz“, und küsste sie, streifte mir die Schuhe ab, „komm lass uns aufbrechen in das Land mit dem heiligen Boden – dort braucht es keine Schuhe.“

 

Gott sprach: „Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heilige Land!“ (2.Buch Mose 3, 5)

Andacht von Pastor Falk Nisch im Schaumburger Wochenblatt vom 28.6.14

Fußball - Gott

Die WM ist im vollen Gange und ich habe vom sogenannten „Fußballgott“ zum Glück noch nichts gehört. Was sollte ein „Fußballgott“ auch machen, wenn ihn z.B. Fans aus Deutschland ebenso wie die Fans der gegnerischen Mannschaft um einen Sieg bitten. Da geht es ihm wie dem sogenannten „Wettergott“, der zwischen den Wünschen der sonnenhungrigen Urlauber und den um Regen bittenden Landwirten auch nur unter die Räder kommen würde. Diese Beschreibungen von Gott führen schnell ins Banale, wenn sie denn überhaupt ernst gemeint sind. Denn es gibt weder einen Fußball- noch einen Wettergott. Es gibt nur einen Gott, der sich solchen Festlegungsversuchen entzieht. Aber wenn wir uns Gott annähern wollen, ohne ins Banale abzurutschen, stoßen wir auch schnell an unsere Grenzen. Ich kann Gott vielleicht als Urgrund allen Seins oder Anstoß allen Lebens denken. Dabei gerät Gott aber in so weite Ferne der Abstraktion, dass er mit meinem Leben und meinen Sorgen im Hier und Jetzt nicht mehr viel zu tun hat. Gott möchte aber mit unserem Leben etwas zu tun haben. Er möchte sogar in unserem täglichen Alltag vorkommen. Und er weiß, dass wir Menschen etwas von ihm erkennen müssen, um glauben zu können. Deswegen zeigt Gott sich in dem Mann aus Nazareth. Jesus sagt: „Wer mich sieht, der sieht Gott, den Vater!“ Alles, was wir von Gott erkennen sollen, erschließt sich uns, wenn wir auf den Mann aus Nazareth schauen. So wie er, ist auch Gott: ein menschenfreundlicher Gott, der unsere Nähe sucht, unser Leben und Leiden teilt und alles gibt, damit wir den Weg zu ihm und seiner Liebe finden. In Jesus erschließt sich Gott für uns. Im Gebet öffne ich mich für Gott: „Danke Gott, dass du mich kennst und meine Wege siehst und bei mir bist.“

Wir werden natürlich gespannt die weiteren Fußballspiele in Brasilien verfolgen, bei denen hoffentlich immer die bessere Mannschaft gewinnen wird. Ganz nebenbei wird dann im Fernsehen immer wieder die Christus-Statue von Rio de Janeiro zu sehen sein. Segnend hat dieser Jesus seine Arme weit geöffnet. Wenn der Fernseher aus ist, Sieg oder Niederlage verdaut sind, laden uns seine ausgebreiteten Arme ein, Gott in Jesus zu sehen. So kommt Gott beim Fußball doch noch ins Spiel.

 

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

Angedacht in Schaumburger Zeitung vom 17.5.2014

Frei sind wir, Ja zu sagen oder nein …

In den Wochen nach Ostern ist Konfirmationszeit. Religionsmündige Jugendliche im Alter von 13 oder 14 Jahren sagen am Konfirmationstag ‚Ja‘ zu ihrem Glauben, sagen: „Ja, ich möchte zur Kirche, zur Gemeinschaft der Christinnen und Christen gehören.“ Mit einem richtigen Festtag in der Kirche und in der Familie wird die Konfirmation in aller Regel begangen, aufregend, fröhlich, feierlich.

„Was machen Sie denn, wenn Sie mir die Konfirmationsfrage gestellt haben und ich sage: ‚Nein!‘?“ – das hat mich einer meiner Konfirmanden gefragt. Als er merkt, dass ich die Frage bedenke, lacht er und sagt: „Mach ich natürlich nicht, war nur aus Scherz.“ Doch mir ist an der Stelle eine ernsthafte Antwort wichtig.

 

Wie verzweifelt und sprachlos entsetzt machen mich in diesen Tagen die Bilder jener entführten Mädchen aus Nigeria, die Menschen in die Hände gefallen sind, deren Verständnis von Religion und Glaubensleben aus meiner Sicht vollkommen pervertiert sind (und das auch – das sei deutlich angemerkt – nicht den Grundsätzen des Islam entspricht!). Da werden Mädchen, die ähnlich alt sind wie meine Konfirmandinnen, entführt und einer Extremsituation ausgesetzt. Ihnen wird Gewalt angetan. Jegliches Recht auf Bildung wir ihnen abgesprochen. Sie werden gezwungen, Gebetstexte zu rezitieren. Schreckliche Bilder!

Ich stehe diesem Geschehen hilflos und mit absolutem Unverständnis gegenüber. Vielen Menschen geht das so, was auch die inzwischen weltweite Unterstützung der Aktion „Bring back our girls!“ zeigt.

Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und weltweit leider keineswegs selbstverständlich. Wo Religion der Aspekt der Vernunft und der Freiheit fehlt, führt sie sich selbst ad absurdum. Deshalb war es mir wichtig, meinem Konfirmanden vom hohen Wert seiner Wahlmöglichkeit zu erzählen:

„Du hast das Recht und die Pflicht, deine Antwort gut zu überlegen“, sage ich also. „Du hast die Freiheit, Ja oder Nein zu sagen, jetzt nachdem du den christlichen Glauben besser kennengelernt hast. Und dann sagst du hoffentlich aus vollem Herzen und mit wachem Verstand ‚Ja!‘.“

Ein kritischer Geist, die Notwendigkeit Glaubenssätze zu hinterfragen, die Freiheit des Glaubens, das alles ist m.E. unverzichtbar in dieser Welt. Und deshalb ist das ‚Ja‘ zur Konfirmation ein richtig guter Grund zum Feiern.

(Pastorin Gundula Sievert, Erlöserkirchengemeinde Krankenhagen)

Andacht im Schaumburger Wochenblatt vom 15.3.2014

Der erste Schritt

„Der erste Schritt ist nicht einfach“, sagt er. „In meiner Familie gibt es eine Menge Streit. Mein Vater war ein Dickkopf und schnell rasselten wir aneinander. Ein Wort ergab das andere und am Ende herrschte Funkstille. Manchmal tagelang. Das war immer das Schlimmste“, sagt er, „dieses eisige Schweigen und die eigenen Schuldgefühle. Mit meiner Schwester gibt es leider auch Streit. Als Mutter starb, musste einiges geregelt werden. Wir waren uns nicht einig und seitdem ist auch diese Beziehung belastet. Irgendwie klebt das wie Pech an unserer Familie“ resümiert er, „immer wieder Streit, unausgesprochene Vorwürfe und natürlich auch das eigene Versagen. Seit drei Wochen habe ich nun auch noch mit seinem Sohn keinen Kontakt. Als er mit seiner Lebensgefährtin zu Besuch war, habe ich wohl etwas Falsches gesagt. Nun steht sein Geburtstag an und ich kann mich bei ihm in dieser verfahrenen Situation nicht melden.“

„Der erste Schritt ist tatsächlich nicht einfach“, sage ich. Nach einer Weile erzähle ich ihm von dem Mann aus Nazareth: „Jesus hat in seinem Wirken eigentlich nichts anderes gemacht, als einen Schritt auf Menschen zuzugehen, um sie aus Sackgassen zu befreien. Jesus hat die Belastungen von Menschen wahrgenommen und war auch so mutig, sie auf ihre eigene Schuld anzusprechen. Er tat dies nicht, weil er gerne in der „schmutzigen Wäsche“ anderer Leute rumwühlen wollte, sondern weil es ihm Leid tat, wie sie sich abmühten. Den Schuldbeladenen sprach er Vergebung zu und den Nachtragenden, die nicht vergeben konnten, machte er Mut, die Hand zur Versöhnung auszustrecken. Ein Schritt und die Sackgassen von Schuld und Schweigen werden geöffnet.“

Am Ende des Besuches spreche ich ein „Vater unser“. Die Worte klingen diesmal ganz besonders: „vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.

Als der Mann eine Woche später beim Abendmahl steht und ich zu der Gemeinde nach dem Schuldbekenntnis spreche: „Dir sind deine Sünden vergeben“, sehe ich auch in seine Augen und spüre, wie gut ihm diese Zusage tut.

Ich selbst merke, welch einen Schatz Jesus seiner Kirche anvertraut hat, als er seine Nachfolger beauftragte, Schuld zu vergeben. Viel zu selten wird dieser Schatz in Anspruch genommen. Dabei gibt es niemanden, der Gott gerecht wird. Deswegen ermahnte Jesus alle Urteiler und Selbstgerechten: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Nun liegen besondere Schätze oft im Verborgenen und müssen gesucht werden. Und wer sucht, der wird auch finden. Ein Schritt und es ist möglich ohne Schuld neu anzufangen, um selbst ein versöhnender Mensch zu werden.

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

 

Andacht für Schaumburger Wochenblatt,

8. Februar 2014

 

Es gibt sowenig gesichertes Wissen über ihn, dass er Ende der 60er Jahre sogar aus dem offiziellen römisch-katholischen Heiligenkalender gestrichen wurde. Doch gerade in den letzten Jahrzehnten hater  an Popularität immer mehr zugenommen und betreibt sogar seine eigene Internetseite: der Heilige Valentin, im Internet zu finden unter www.sankt-valentin.de.

Valentin war im dritten Jahrhundert nach Christus der Bischof der italienischen Stadt Terni (damals Interamna). Er soll laut der Legende einige Verliebte christlich getraut haben, darunter Soldaten, die nach damaligem kaiserlichen Befehl unverheiratet bleiben mussten. Zudem soll er den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. Auf Befehl des Kaisers Claudius II. wurde er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Dazu schreibt „er selber“ auf seiner Homepage:  „So angesehen und beliebt soll ich gewesen sein, dass mich eines Tages sogar der römische Kaiser kommen ließ um mit mir zu diskutieren. Was ich ihm zu sagen hatte, schien ihm nicht gerade gefallen zu haben, denn im Anschluss an die Diskussion ließ er mich von seinem Scharfrichter einen Kopf kürzer machen. Die ganze Sache war natürlich ziemlich ärgerlich für mich. Ich hätte wohl besser auf meine Mutter gehört, die einst sagte: "Valli, sage nicht immer was du denkst, aber wisse immer was du sagst!" 

Der Todestag Valentins fiel zusammen mit dem römischen Fest Lupercalia. Es war der Feiertag der römischen Göttin Juno, der Frau des Jupiter und Schutzpatronin der Ehe. Junge Mädchen gingen an diesem hohen Festtag in den Juno-Tempel, um sich ein Liebesorakel für die richtige Partnerwahl zu holen. Junge Männer aus dem einfachen Volk zogen an diesem Tag Lose, auf denen die Namen der noch ledigen Frauen standen. Die so gelosten Pärchen gingen miteinander aus und manche sollen sich so ineinander verliebt haben.

Vieles rund um Valentin bleibt also Legende, aber es steckt doch mehr dahinter als nur eine Erfindung der Floristen.  Wie so oft flossen also verschiedene Quellen aus christlichen Legenden und vorchristlichem Brauchtum zusammen.

Einen besonderen Tag als Tag für Liebende zu begehen, kann ja nicht schaden. Denn gerade in Zeiten, in denen viele Ehen scheitern und Partnerschaften wieder auseinander gehen, kann es höchst sinnvoll sein, sich einmal über einen Rosengruß hinaus darauf zu besinnen, was der Liebe gut tut. Bisweilen bieten die Kirchen auch Gottesdienste für Liebende und Paare an, um ihnen erneut den Segen zuzusprechen.

Noch einmal Valentin „selber“: „Mein Name muss mittlerweile für viel herhalten. Aber was soll ich dagegen haben? Ist es nicht eine gute Sache, Menschen zu sagen und zu zeigen, dass man sie gern hat? Das gilt auch, wenn einige Leute sich daraus ein Geschäft machen. Wäre nicht heute schon eine gute Gelegenheit jemanden zu sagen, dass er/sie nett ist? Wann hast Du deinem Partner, Deinen Eltern oder Deinen Kindern, Deinen Freunden oder anderen netten Leuten, das letzte Mal gesagt, wie sehr Du sie magst? Sag es zu Ihnen so oft es geht, zeigt es ihnen so oft es geht. Nicht nur am Valentinstag. Sag es heute. Liebe macht die Welt erst schön.“

 

Pastor Dirk Gniesmer, Johanniskirchengemeinde Rinteln

An(ge)dacht von Pastorin Antje Wachtmann, Hattendorf

Liebe Leserinnen und Leser, manchmal habe ich morgens keine Lust aufzustehen. Besonders nicht, wenn es draußen dunkel und kalt ist. Da möchte ich lieber in meinem Bett bleiben. Dort ist es wenigsten warm.

Im Winter fehlt das Licht. Es fehlt morgens beim Aufstehen, es fehlt auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule, es fehlt tagsüber. Gerade in den letzten Tagen erschien es mir besonders dunkel: Nebel und Regen haben selbst das spärliche Tageslicht zu einer Dauerdämmerung werden lassen. Die Dunkelheit ist die unschöne Seite des Winters und des Dezembers.

Und inmitten der dunklen Jahreszeit kommt das Licht. Die ganze Adventszeit ist angefüllt davon. Das kleine, zunächst unscheinbare Licht auf dem Adventskranz, das volle Licht der Weihnachtsmärkte und der Innenstädte, die festlich geschmückt sind, die beleuchteten Fenster und Gärten der Häuser oder die Lichter der Adventsandachten und lebendigen Adventskalender, die es in vielen Kirchengemeinden gibt.

Das Licht bricht mit ganzer Kraft in die Dunkelheit hinein. Bis hin zum Weihnachtsfest. Dem Fest der Geburt von Jesus Christus.

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.

In der dunklen Jahreszeit kommt das Licht. Wann könnte dieses Bild anschaulicher sein als im Dezember. Christus kommt zu uns auf die Erde und sein Licht erstrahlt in der Dunkelheit. Das merken wir nicht erst am Heilig Abend. Einen Vorgeschmack darauf bekommen wir schon jetzt. Es ist ein lebendiges Licht von dem dort gesprochen wird. Es lebt, es flackert, es wärmt, wie eine Kerzenflamme, die nicht verlischt.

Das Licht strahlt in der Gemeinschaft, wenn wir zusammen den Advent begehen, Andachten feiern und gesellig sind. Das Licht ist unter uns. Es leuchtet in der Vorfreude auf das Christfest und es brennt den ganzen Winter lang. Wir warten auf Christus und begehen zusammen den Advent. Wenn wir am Sonntag die dritte Kerze auf den Kränzen anzünden sagt das Licht: Ich vertreibe für dich ein Stück deiner Dunkelheit: der natürlichen Dunkelheit im Winter, aber auch der Dunkelheit in dir drin, die aus Stress, Termindruck, Einsamkeit und Trauer besteht. Zünde du die Kerze an und ich leuchte in dir.

Dieses Licht hilft mir morgens zwar nicht beim Aufstehen, aber es erfüllt den ganzen Tag. Denn jede Kerze und jedes kleines Lämpchen sagt: Christus kommt!

 

An(ge)dacht im Schaumburger Wochenblatt vom 14.12.13

Angedacht im Schaumburger Wochenblatt am 19./20. Oktober 2013

 

 

Bleibt auf dem Teppich!

 

Wo auch immer wir am Erscheinungstermin dieser Zeilen (Ich schreibe sie am

14. Oktober.) mit dem weiteren Schicksal des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst angekommen sein werden, eins lässt sich schon jetzt sagen: Das Ausmaß der Berichterstattung in den Medien über sein mögliches Fehlverhalten hat schon längst das erträgliche Maß überschritten. Damit kein Missverständnis aufkommt: Wenn die bisherigen Erkenntnisse über seine Verantwortung für die horrenden Kosten des Bischofssitzes sowie seine Falschangaben zu einem Flug nach Indien richtig sind, hat er keine Grundlage mehr sein Amt weiterzuführen.

Da hat sich ein hoher Kirchenmann offensichtlich verrannt in evangeliums- und menschenfernen Bildern von Macht und narzistischer Selbstbezogenheit.

Dies passiert leider auch in Kirche in den "besten Familien", was dies Verhalten nicht entschuldigt, wohl aber auf den Boden menschlicher Anfechtung führt. Darüber kann man hinsichtlich der besonders hohen öffentlichen Erwartungen an kirchliche Würdenträger und ihre Vorbildfunktion Wort und Tat zusammenzubringen, reden, muss es aber nicht.  Wo man viel Licht erwartet, wird man leider immer wieder auch manch Schatten entdecken. Wir Geistlichen tun gut daran, uns darum selbst nicht zu besonderen Menschen emporzustillisieren. Auch wir leiden vielfach unter Unzulänglichkeiten, die nicht an das heranreichen, was das Evangelium eben auch von uns selbst fordert. Darum sind wir in gleicher Weise auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen wie die Menschen, denen sie zuzusprechen wir beauftragt sind.

Ich habe bei allem Verständnis über das Entsetzen anlässlich von Verfehlungen kirchlicher Würdenträger immer wieder den Eindruck, dass da Menschen auch stellvertretend für die eigene - mal mehr, mal weniger gelingende - Verantwortung für das Richtige und Gute im Leben an den Pranger gestellt werden.

Wenn ich schon selbst ständig an meinen Ansprüchen scheitere, dann muss zumindest der Pfarrer sie erfüllen. Wenn er es dann nicht schafft, muss er - stellvertretend für meine eigene Unzulänglichkeit - dann auch öffentlich und entsprechend heftig büssen.

Nur so kann ich mir die überzogen breite (Es war doch sehr schnell alles wesentliche gesagt.) und aus meiner Sicht unnötig sich ständig wiederholende Berichterstattung erklären.

Mein Wunsch: Bleibt auf dem Teppich! Bischöfe sind wichtig. Wichtiger ist aber, dass nicht nur einer sich an die eigene Nase fasst, sondern wir gemeinsam im klaren Blick für unsere eigenen Schwächen und Stärken Verantwortung für das Wohl der Menschen in unserer Gesellschaft und Welt tragen.

 

Andreas Kühne-Glaser

Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Grafschaft-Schaumburg

 

Angedacht im Schaumburger Wochenblatt am 27. Juli 2013

 

Gebet eines indischen Dorfchristen

nach dem Besuch in der Stadt

 

Ich klage nicht darüber, dass hier keine elektrischen Lampen leuchten.

Aber ich danke Dir, mein Herr, für die glänzenden Sterne und den goldenen Mond.

Ich klage nicht darüber, dass ich hier keine Oper besuchen kann.

Aber ich danke Dir, mein Herr, für das Konzert der Vögel in den Bäumen.

Ich klage nicht darüber, dass es hier weder Museen noch Denkmäler gibt.

Aber ich danke Dir, mein Herr, für die Schmetterlinge, die mit den Waldblumen spielen.

Ich klage nicht darüber, dass wir hier keine Wasserleitung haben.

Aber ich danke Dir, mein Herr, für den sprudelnden Wasserfall und den Monsunregen.

Ich klage nicht darüber, dass ich nicht in einem Bungalow wohne.

Aber ich danke Dir, mein Herr, für die Bambuspflanzen, aus denen ich meine Hütte bauen kann.

Ich klage nicht darüber, dass ich nicht in einem weichen Bett schlafen kann.

Aber ich danke Dir, mein Herr, für das weiche Gras, auf dem ich bequem liege.

Ich klage nicht darüber, dass es hier kein Telefon gibt.

Aber ich danke Dir, mein Herr, dass ich für meine Freunde beten darf.

Ich klage nicht darüber, dass hier kein Gasthaus steht.

Aber ich danke Dir, mein Herr, dass die Menschen, meine Nachbarn, gastfreundlich sind.

Ich klage nicht darüber, dass hier keine großen Philosophen leben.

Aber ich danke Dir, mein Herr, dass wir an Dich glauben können.

Ich klage nicht darüber, dass wir hier keine großen Pläne für die Zukunft haben.

Aber ich danke Dir, mein Herr, dass wir auf dich hoffen dürfen.

Ich klage nicht darüber, dass wir hier ungebildet und arm sind.

Aber ich danke Dir, mein Herr, dass Du uns reich machtest, andere zu lieben.

(J. Gnanabaranam)

Jesus sagte in seiner Bergpredigt: „Selig sind die Armen!“ Ich erkenne in dem Wort „Seligkeit“ ein tiefes Glück, das in der Dankbarkeit des Bruders aus Indien durchschimmert.

Glücklich, wer innerlich so reich ist.

 

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

Andacht von Pastor Falk Nisch im Schaumburger Wochenblatt vom 1.6.13

 

Fragen

Wann hört der Regen auf? Weint der Himmel? Über uns? Himmel? Wie ist das mit Gott im Himmel? Gibt es überhaupt einen Himmel? Gibt es mehrere Himmel? Treffe ich meine Großeltern im Himmel wieder? Wie komme ich in den Himmel? Ist meine Seele für den Himmel bereit? Kommen auch Verbrecher in den Himmel? Ist der Himmel schon voll? Wie komme ich in den Himmel? Hilft Beten? Gibt es einen Weg zu Gott? Sind Jesus, Maria, und Josef auch im Himmel? Was geschieht mit meinem Wellensittich? Gibt es auch Tiere im Himmel? Bleibt von mir mehr als die Seele? Bringen mich gute Werke in den Himmel? Kommen alle getauften Christen in den Himmel? Wie ist das mit dem Gericht? Sind alle Sünden vergeben? Wie soll ich das Gericht überstehen? Kann ich verloren gehen? Kann ich den Himmel verpassen? Gibt es im Himmel Landschaften? Kann ich im Himmel angeln? Gibt es auch Internet? Den ganzen Tag Chöre? Was soll ich im Himmel? Ist meine Seele für den Himmel bereit? Wie wird meine Seele heil? Wie werden wir uns im Himmel wiedererkennen? Welchen Körper werden wir im Himmel haben? Wird Jesus uns richten? Kann ich auf seine Barmherzigkeit hoffen? Und was ist mit der Hölle? Wie lange dauert der Himmel? Bin ich mir selbst genug? Ist Jesus der Schlüssel zum Himmel? Gibt es andere Wege? Ist meine Seele für den Himmel bereit? Wie komme ich in den Himmel?

Das sind viele Fragen zum Himmel und zum ewigen Leben. Auf viele von ihnen wird es keine schnelle Antwort geben. Manche werden offen bleiben. Aber hinter jeder Frage verbirgt sich eine Sehnsucht. Und wenn ich frage und nicht aufhöre zu fragen, gebe ich der Sehnsucht in mir Raum. Auch der Sehsucht nach einer anderen Wirklichkeit, Gottes Wirklichkeit, die wir auch „Himmel“ nennen.

Wann hört der Regen auf? Wann kommt der Sommer? Hoffentlich bald!

Tooor! Andacht von Pastor Gero Cochlovius im SW 25.5.13

Endlich ist es soweit: Die Fußball-Fans fiebern dem heutigen Abend schon seit Wochen entgegen. Das große Champions-League-Finale startet. Die Tor-Jagd beginnt. Bayern gegen Dortmund – wer wird am Ende jubeln? Ein Konfirmand fragte mich mal: „Herr Pastor, welches war die erste Fußballmannschaft?“ Keine Ahnung. Antwort: „Jesus und seine Jünger. Denn in der Bibel steht: Jesus war im Tor von Nazareth, und seine Jünger standen abseits.“ Na ja, diese Bibelstelle habe ich zwar nie gefunden, aber ich meine, dass ein leidenschaftliches Fußballspiel und die Jagd nach Toren ein gutes Bild für unser Leben sein kann und daher durchaus eine Menge mit Jesus und dem Glauben zu tun hat.
Manch ein Tor in der Fußballgeschichte war so bedeutend, dass es für den Torschützen zweifellos das Tor seines Lebens war. Etwa das legendäre Tor von Helmut Rahn im Finale der Fußball-WM 1954 beim „Wunder von Bern“ mit dem ebenso legendären Torjubel des Reporters Herbert Zimmermann: „Rahn schießt. Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“ Die Stimme überschlägt sich, die Begeisterung kennt keine Grenzen.
Ich glaube, viele Menschen sehnen sich danach, selber mal das Tor ihres Lebens zu schießen. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern im eigenen Leben. Mal den großen Volltreffer landen. Mal so richtig Erfolg haben. Mal das ganz große Glück erleben. Wie viele Lebensträume hat man als junger Mensch! Manche erfüllen sich, andere zerplatzen wie Seifenblasen. Ist das große „Tor des Lebens“ dabei? Ist man bei den jubelnden Siegern? Oder gehört man beim Spiel des Lebens eher auf die Verliererseite? Das gibt es ja im Leben: dass man im Abseits steht, dass man sich in den Alltagssorgen verdribbelt, dass man hin und wieder sogar ein Eigentor schießt. Scheitern, Versagen und Fehler gehören zu unserm Leben dazu. Können wir trotzdem gewinnen?
Die Bibel sagt uns, dass das entscheidende Siegtor für uns längst erzielt wurde. Paulus jubelt: „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15,57). Für Paulus ist klar: Entscheidend ist, ob ich am Ende
meines Lebens, beim „Schlusspfiff“ auf der Siegerseite stehe und das bedeutet: das ewige Leben habe, bei Gott bin. Und diesen Sieg bekomme ich trotz aller Eigentore und Gegentore, wenn ich an Jesus Christus glaube. Wenn er in meinem Leben mitspielt. Indem Jesus aus Liebe zu uns Menschen in völliger Hingabe am Kreuz gestorben ist, dann aber vom Tod auferstanden ist, hat er das entscheidende Siegtor gegen das Böse und gegen den Tod erzielt. Da lohnt es sich, ihn einzuladen, der Spielführer in unserm Leben zu werden. Jesus sagt: „Ich bin das Tor zum Leben, wer an mich glaubt, wird gerettet werden“ (Johannes 10,9).
Der Fußballspieler Cacau, der auch in der deutschen Nationalmannschaft spielte, ist gläubiger Christ. Er sagt: „Was nützt es dir, wenn du vor 70.000 ein Tor schießt, aber das ewige Leben nicht hast? Als ich mit 13 Jahren bei Palmeiras in Brasilien spielte, dachte ich, meine Lebenshoffnung gefunden zu haben. Nach drei Jahren zerplatzte mein Glück wie eine Seifenblase. Mein Fundament Fußball war weg! Dann traf ich einen Freund. Er war Christ und erzählte mir von Jesus. Nicht viel später kam mein Bruder zu Besuch. Mein Bruder, sonst ein Lebemann, der das "Nachtleben" sehr liebte, war wie verwandelt. Er strahlte plötzlich einen inneren Frieden aus. Er sagte: "Cacau, du musst Jesus kennen lernen." Er berichtete mir von einem liebevollen Jesus, der für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist. Ich wollte mehr über Jesus erfahren, las in der Bibel und stellte viele Fragen. Dann habe ich den Entschluss gefasst, Jesus als meinen Herrn und Erlöser anzunehmen. Ich erlebte Vergebung meiner Sünden. Auch wenn meine Situation damals ohne Verein und ohne festen Job alles andere als einfach war, fühlte ich einen tiefen Frieden und eine unerklärliche Freude. Der Fußball, Erfolg, Ruhm, Geld, Autos, alles auf dieser Welt ist vergänglich.
Jesus schenkt viel mehr. Sein Geschenk für dich und mich ist ewiges Leben. Nimm Jesus Christus als Deinen Freund und Retter an!“


Andacht von Superintendent Andreas Kühne Glaser
zum Pfingstfest 2013 in der SZ

 

Herzlichen Glückwunsch,

liebe Christen, zum Geburtstag der Kirche! Nach einem ziemlichen Wechselbad der Ereignisse und Gefühle - erst wird Jesus gekreuzigt, dann zeigt sich kurz danach, dass der Tod keine wirkliche Macht über ihn hat, er sucht seine Jünger auf und überzeugt selbst den ungläubigen Thomas davon, dass er auferstanden ist und lebt, und dann bleibt er doch nicht, erneut verabschiedet er sich, diesmal nicht in den Tod sondern in den Himmel, um zu seinem Vater zurückzukehren, von dem er einmal auf diese Erde gesandt wurde um den Menschen die Liebe Gottes ins Herz zu geben - nach einer ziemlich ereignissenreichen Zeit also seit Ihr nun dran.

Ja, schaut nicht so erstaunt in den Himmel! Seht auf die Erde! Nun liegt es an Euch, dass etwas von Gottes Liebe in dieser Welt spürbar wird. In Euren Taten, in Eurem Reden, in Eurer Art mit euren Unzulänglichkeiten umzugehen, die ihr ja nach wie vor habt. Habt keine Angst und zögert nicht! Das einzige, was Ihr braucht, ist einen guten Geist, der Euch hilft mit wachen Augen durch die Welt zu gehen. Der Euch für etwas brennen lässt. Etwas, was nicht nur Euch gut tut.

Die Jünger haben diesen Geist zu Pfingsten umsonst bekommen. Er hat sie ergriffen und bewegt zu einer Sprache des Lebens, die alle Menschen damals verstanden haben.

Vermutlich lag es daran, dass sie nach Jesu Himmelfahrt nicht aufgehört hatten mit seinem Wirken in dieser Welt zu rechnen. Denn das muss man wohl - sonst findet die Flamme das Herz nicht, in dem sie brennen soll.

Also, ein frohes Pfingstfest Euch Christen und allen, die noch nicht die Hoffnung verloren haben, dass es einen Gott gibt, dem diese Welt etwas bedeutet!

Andreas Kühne-Glaser, Superintendent

 

Angedacht zum Osterfest 2013 für das

Schaumburger Wochenblatt

 

 

"....als ob der Frühling in ihn gefahren wäre."

 

Vom Namenspatron des neuen Papstes, dem heiligen Franziskus, gibt es viele schöne Geschichten. Eine passt gut zum Osterfest, das uns in diesem Jahr so gar nicht frühlingshaft daher kommt und unsere Sehnsucht nach Wärme und blühender Natur wach hält. Umsomehr muss man jetzt Geschichten wie die folgende erzählen, in der so anschaulich das Wunder des Frühlings mit dem Wunder des Sieges des Lebens über den Tod verbunden wird.

Franziskus war einmal wieder - wohl in späten Wintertagen - in der Natur unterwegs als er merkte, dass er anfing, Gott in allen Dingen zu erleben. So zog er singend seinen Weg und war fröhlich und guten Muts. Da kam er an einem Pfirsichbaum vorbei und sprach zu ihm: „Pfirsichbaum, mein Bruder, erzähl mir von Gott!“ Der Pfirsichbaum schüttelte sich ein wenig, als ob eine leichte Brise durch ihn führe, und stand plötzlich vor Franziskus Augen ganz in Blüte, als ob der Frühling in ihn gefahren wäre.

Was für eine wundersame Wandlung! Und: Wie gut wäre es, wenn wir uns manchmal einfach schütteln könnten! Frei schütteln von allem, was uns daran hindert der Mensch zu sein, der wir gerne sein möchten. Erlöst von den Sorgen und den Lasten, die unser Leben mit sich bringt. Damit wieder (und wieder) zur Blüte kommt, was in uns steckt und Gott uns in Fülle zu leben zugedacht hat.  

Ich ahne, was hinter diesem Bild steckt und ich merke, wie gerne ich etwas von einem solchen Baum hätte.  Allein die Plötzlichkeit, in der er vor Franziskus erblüht, zeigt mir, dass hier etwas passiert, was über mein Begreifen hinausgeht.

Andererseits: Richtig verstehen tue ich - trotz aller wissenschaftlichen Erklärung - auch nicht, warum in jedem Frühjahr neu die Natur zum Leben aufersteht. Das christliche Osterfest handelt - wie der Frühling - von einem Geheimnis, das kein Mensch fassen kann. Es handelt von der grundsätzlichen Möglichkeit, das es nichts im Leben gibt, was so bleiben muss, wie es ist. Der auferstandene Christus ist das Zeichen der Hoffnung, das diese Welt nicht sich selbst und ihrer Vergänglichkeit überlassen ist. Sie ist durchdrungen von einer anderen Welt, deren wunderbare Gegenwart uns mal näher und mal ferner ist. Aber sie ist da. Man kann sie mit dem Herzen sehen und manchmal auch mit den Augen. Besonders im Frühjahr.

Bisweilen geschieht es dann, dass "es" einen auch selbst "schüttelt". Und dann wundert man sich, was alles möglich ist im Leben, im Sterben und über den Tod hinaus. Bei sich selbst und bei anderen. Und im Frühling allzumal.

 

Andreas Kühne-Glaser,

Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg

"Angedacht" für die Schaumburger Zeitung am Samstag, dem 9. März 2013

 

Skandale

Skandal um Schimmel-Futter. Skandal um falsch deklarierte Öko-Eier. Skandal um Gammelfleisch, um Dioxin im Futter, um Noroviren, um zuviel Antibiotika in der Massentierhaltung. Was mir bei der ganzen Diskussion um unseren möglichst "billigen" Umgang mit Lebensmitteln und seine fatalen Folgen völlig fehlt, ist die Benennung der Tatsache, dass hinter diesen Fällen ganz konkrete Menschen stehen, die als Unternehmer in der Verantwortung gegenüber den Menschen stehen, die ihre Produkte (bzw. das, was zu ihnen führt) essen sollen. Sie kommen meist nicht oder nur sehr selten in den Blick der Öffentlichkeit. Hingegen wird die Verantwortung sehr viel schneller in der Politik und ihren Kontrollorganen gesucht (oder auch beim Verbraucher, der alles günstig haben will). Und dann hört man häufig: "Es ist einfach nicht ausreichend genug kontrolliert worden.

Wie bitte? Was ist denn das für ein Verständnis davon, wie das Miteinander in unserer Gesellschaft funktionieren soll? Wenn ich absolute Transparenz und die dazu notwendige ständige Kontrolle zum Maßstab allen Handelns mache, brauche ich keine Menschen mehr, die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Dann wird mit einem ungeheuren Aufwand alles automatisiert, kontrolliert und vereinheitlicht. Der Preis dafür: Der Einzelne ist nicht mehr in seinem Gewissen und seiner Verantwortung gefragt. Er hat ja auch nicht mehr die Freiheit dazu, sie wahrzunehmen. Sie ist nicht mehr gefordert.

Ich habe ein anderes Bild vom Menschen und seiner Würde und Freiheit. Verantwortlich handeln kann nur der, der in der Gemeinschaft mit anderen auch Vertrauen genießt. Beides ist miteinander untrennbar verbunden. Ansonsten bekommen wir einen totalitären Kontrollstaat, in dem nicht Verantwortung gegenüber anderen und sich selbst regiert, sondern einzig das Bestreben, sich der Kontrolle zu entziehen, bzw. sie zu umgehen.

Wir brauchen Unternehmer (und es gibt sie immer noch!), die durch ihr Verhalten - auch im Umgang mit Fehlern - deutlich machen, dass man ihnen vertrauen kann, weil sie den Verbraucher und seine Gesundheit im Blick haben. Dazu kann und darf nicht alles kontrolliert werden. Ansonsten schaffen wir einen Staat, der ein Klima hervorbringt, in dem keiner mehr wirklich Verantwortung übernehmen will und - und das ist noch viel schlimmer - niemand mehr Vertrauen (als Grundvoraussetzung eines gelingenden Zusammenlebens) in den anderen wagt.

Manche sagen, wir sind auf dem besten Weg dazu. Die Strukur vieler Großkonzerne gibt ihnen recht. Was können wir tun? Wir können z. B. häufiger auf unseren Wochenmarkt und in die kleinen Geschäfte gehen. Das kostet mehr, aber da stehen Menschen, die zumeist noch verantworten können, was sie verkaufen.

Andreas Kühne-Glaser,

Superintendent

 

 

 

 

Andacht im Schaumburger Wochenblatt, 9. Feb. 2013

von Pastor Dr. Dirk Gniesmer

Mit Musik geht alles besser

„Mit Musik geht alles besser“ – liebe Leserinnen und Leser, Sie kennen diesen Spruch und haben vielleicht auch schon erfahren, dass er stimmt.  Da habe ich ein Summen auf den Lippen, in mir erklingt ein Lied – und schon gehe ich viel fröhlicher durch den Tag.

Die Musik kann mich ganz tief erreichen – sie spricht Herz und Gefühle an. Da geht mir eine Melodie nicht mehr aus dem Kopf, wird zum Ohrwurm, klingt immer wieder nach. Und sicher kennen Sie auch dies: Da höre ich eine Melodie und weiß, ich kenne sie, aber komme nicht darauf, was es ist. Das lässt mich nicht wieder locker, das nun herauszubekommen.

„Ich liebe die Musik, weil sie erstens ein Geschenk Gottes ist, zweitens weil sie die Seele fröhlich macht, drittens weil sie den Teufel verjagt, viertens weil sie unschuldige Freude erweckt. Darüber vergehen Zornanwandlungen, die Begierden, der Hochmut. Ich gebe der Musik den ersten Platz nach der Theologie.“ Das sagte kein geringer als der Reformator Martin Luther, der dann ja auch seine neu entdeckte Glaubensbotschaft in vielen Liedern vertonte. Denken wir an das weihnachtliche „Vom Himmel hoch“ oder das Reformationslied schlechthin: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Gerne hat Luther die Psalmen der Bibel für seine Lieder aufgegriffen, und das Evangelium von Jesus Christus war ihm „gute Botschaft, davon man singet und saget und fröhlich ist.“

Zu mir hat einmal jemand gesagt: „Aus einem Gottesdienst muss man immer ein Stück fröhlicher herausgehen, als man hineingekommen ist.“  Gute Musik und gemeinsam gesungene Lieder tragen dazu ganz wesentlich bei.

Es mag sein, dass viele Choraltexte uns in ihrer Sprache und mit so manchen Strophen heute nicht mehr ansprechen. Das tun sie erst dann, wenn wir mehr wissen über die Zeitumstände, in denen sie gedichtet und erstmals gesungen wurden. Heute entstehen immer wieder neue Lieder etwa zu Kirchentagen, zum ökumenischen Jugendkreuzweg, zum Weltgebetstag Anfang März. Da gibt es ganz neue schwungvolle Melodien oder auch neue Texte zu altbekannter Musik.

Die Musik auch in den Gottesdiensten ist vielfältig, von Orgel und traditionellem Kirchenchor, über Bandmusik mit Jazz, Rock und Pop in der Kirche - auch mit Schlagzeug und E-Gitarre-  bis hin zu den lebendigen Gospelchören.

Bereits zum dritten Mal findet dieses Wochenende im Johannis-Kirchzentrum ein Gospelworkshop statt. Auch hier wird ganz neue Musik erklingen – als vertonte frohe Botschaft.

Ich bin gespannt darauf, was uns die Sängerinnen und Sänger am Sonntag im Gottesdienst und dann um 17 Uhr im Konzert in der St- Nikolai-Kirche zu Gehör bringen, und was dann als neuer Ohrwurm in mir weiterklingen wird.

Übrigens: noch mehr als Zuhören kann Mitsingen begeistern, die Chöre unserer Gemeinden freuen sich immer über neue Mitsänger – kommen Sie doch einfach montags oder mittwochs abends um 19 Uhr einmal vorbei im Johannis-Kirchzentrum.

 

Pastor Dirk Gniesmer, Johannis-Kirchengemeinde Rinteln

 

 

 

(Andacht in der EZ vom 27.1.13 von Sup. Andreas Kühne-Glaser)

Angesehen

 

9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.

10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.

11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?

12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.

13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

 

            Klartext in fünf Versen. Was gibt es zum Predigttext von Septuagesimae noch zu sagen? Das Programm Jesu in Wort und Tat. Nach der Weihnachts- und Ephiphanaszeit geht der Gottessohn an die konkrete Arbeit. Er bestimmt die Zielgruppe seines Auftrages. Und er sucht Mitarbeitende für sein Team. Beides wird gleich in Vers 9 deutlich. Und der beschäftigt mich auch am meisten - in seiner kompromisslosen Klarheit und Kürze wie in der Größe seines inneren Geschehens.

            Was bringt Matthäus dazu, ohne zu Zögern seine gut dotierte Arbeit aufzugeben? Wofür ist er bereit, auf seine Sicherheiten zu verzichten und mit diesem Wanderprediger zu gehen? Was fehlt dem alten Job, was der neue verheißt? Ist es die Barmherzigkeit von der Jesus später spricht - Barmherzigkeit in einer unbarmherzigen Welt?

            Hier am Zollhaus geschieht sie im Ansehen und Annehmen. Offensichtlich war Jesus in der Lage mit einem einzigen Blick und mit einem einzigen Wort Menschen "Ansehen" zu verleihen, und das heißt Wert zu geben, Anerkennung zu vermitteln - völlig unabhängig von den krummen oder geraden Wegen, auf denen sie sich gerade bewegten. Theologisch gesprochen muss es ein sünden-vergebender Blick gewesen sein, ein "Sund"-überwindender Blick, sofern ich unter dem Ursprung alles Bösen auf dieser Welt den "Sund" verstehe, also den Spalt, der den Menschen von seinem Schöpfer und Ursprung trennt. Psychologisch betrachtet, hat Jesus nichts anderes gemacht, als dass er in eine Beziehung zu Matthäus getreten ist, die dieser in ihrer Ungebrochenheit und befreienden Wirkung bislang so nicht kannte. Der Sohn Gottes muss dem Zöllner mit Augen und Worten so etwas gesagt haben wie: "Komm dahin, wo du hingehörst. Wo du von Anfang an hingehört hast. In Gottes Reich, das mit mir und nun auch mit Dir auf dieser Welt anbricht!"

            Wer ließe sich da nicht abwerben aus seinem alten Leben, umso mehr als dieses bislang von Beziehungslosigkeit geprägt war? Der Job eines Zöllners gehörte damals vermutlich zu den einsamsten in der Gesellschaft. Nun hat Matthäus jemanden gefunden, der ihn angesehen hat, unabhängig von dem, was ihn bislang das Ansehen gekostet hat. Und noch mehr: Dieser Blick verändert auch sein Handeln. Was er selbst an Leib und Seele als Heil erfahren hat, das traut Jesus ihm nun zu auch anderen Menschen zukommen zu lassen.

            Wo sind sie bei uns, die Beziehungs-losen, die Einsamen? Ich finde Sie in allen Schichten und Berufen. Im Obdachlosen aber auch im Banker. Im ehrgeizigen Radprofi wie im Mitarbeiter einer kirchlichen Einrichtung. Manchmal auch in mir selbst.

            Den Blick der Barmherzigkeit haben wir alle nötig, damit wir in Beziehung kommen und bleiben zu dem, der uns das Leben geschenkt hat und über den wir verbunden sind mit allem Leben auf dieser Welt, das zu lieben, zu schützen und zu bewahren uns aufgetragen ist.

            So wird das Himmelreich mit (von Gott) angesehenen Sündern gebaut und nicht mit Gerechten. Also mit uns allen. Dafür kann man sich immer wieder anwerben lassen.

 

Andreas Kühne-Glaser

Superintendent

Schlingstr. 8

31737 Rinteln

 

(Andacht im Schaumburger Wochenblatt vom 12.1.13 von Pastor Falk Nisch, Beckedorf)

Zwei Wanderer

 

Zwei Wanderer sind schon viele Stunden unterwegs. Die Füße schmerzen, der Magen knurrt, die Rucksäcke drücken schwer. Es ist kalt, es regnet, die Dunkelheit bricht an und  bisher ist ein Ende des Weges nicht in Sicht. Mit finsterer Miene und jeder in seine Gedanken versunken schleppen sich die beiden Wanderer dahin. Plötzlich fängt der eine an, ein fröhliches Liedchen zu pfeifen. Seine Schritte werden leicht und tänzelnd. Strahlend und mit freudigen Augen fragt er seinen Kollegen, ob er ihm den Rucksack abnehmen solle. Der andere Wanderer ist überrascht und denkt, sein Nachbar leide unter Erschöpfungswahnsinn oder so etwas Ähnlichem.

Was ist in dieser Geschichte passiert? Warum ist der eine Wanderer plötzlich so erleichtert, obwohl das schlechte Wetter, sein Hunger und auch seine Last unverändert sind?

Der fröhliche Wanderer hatte am Wegesrand einen kleinen unscheinbaren Wegweiser entdeckt „Gasthaus ,Zum grünen Hirschen´ in 2 Kilometern. Gästezimmer. Durchgehend warme Küche. Für Wanderer sind Speise und Übernachtung kostenfrei.“

Die Aussicht auf eine warmes Essen und ein trockenes Bett hatte den Wanderer so verändert, dass er seine Situation plötzlich ganz anders wahrnehmen konnte. Dieses Ziel vor Augen  erleichterte ihn so, dass er sogar bereit war, die Last seines Weggefährten auf sich zu nehmen.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Dieses Bibelwort wurde als Jahreslosung für das Jahr 2013 ausgewählt. Ernüchternd und ziemlich direkt spricht es aus, was natürlich stimmt: Wir sind auch wie Wanderer durch die Zeit. Eine ewige Bleibe haben wir hier in dieser Welt tatsächlich nicht. Und die Suche nach etwas Bleibendem, nach einem sicheren Rastplatz, nach Antworten und nach Lebensglück zeichnet uns Menschen aus. Das Bibelwort beschreibt unser Leben treffend als Weg und als Suche. Als Vertröstung auf eine himmlische Zukunft, die unseren irdischen Weg zu einer trüben Durchgangstation abwertet, ist dieses Bibelwort allerdings missverstanden. Es will für alle Wanderer vielmehr ein kleiner Wegweiser sein, der daran erinnert, dass unser Weg am Ende bei Gott ein gutes Ziel hat. So sind Kopf und Hände auf unserer Wanderschaft frei, Gott zu finden und Gutes zu tun.

 

Pastor Falk Nisch, Beckedorf

An(ge)dacht im Schaumburger Wochenblatt am 15.12.12

 

Adventsquiz

 

Heute, liebe Leserinnen und Leser, will ich mal ihr Advents- bzw. Weihnachtswissen testen. Sozusagen Günter Jauch am Wochenende.

Ich fange auch ganz einfach an:

In welchem Land werden zu Weihnachten Strümpfe am Kamin aufgehängt: a) Russland

b) Vatikanstaat c) England oder e) Finnland. Na? Gut, England ist richtig.

Nächste Frage - immer noch leicht: Wer ist schuld, dass der Weihnachtsmann so populär ist und einen rotweißen Mantel trägt?

a) Der Bischof von Myra b) Martin Luther c) Papst Gregor der 29. oder d) Die Firma Coca Cola. Was, jetzt wollen Sie schon das Publikum fragen? Na, das ist doch klar. d) Coca Cola. Die Firma hat in den 30-iger Jahren im letzten Jahrhundert eine Werbekampagne mit dem Weihnachtsmann gemacht und ihn in die Firmenfarben gekleidet. Eigentlich ein ganz unchristliche Figur. Ganz anders als der Nikolaus, der auf den großherzigen Bischof von Myra zurück geht.

Weiter geht‘s und jetzt wird's schwerer: Der Stern von Bethlehem war aller Wahrscheinlichkeit nach a) ein Fixstern b) das dichte Zusammenstehen zweier Planeten

c) eine Supernova d) der Halleysche Komet.

So, da müssen Sie überlegen? Ich helfe Ihnen: Zur Zeit der Geburt Jesu standen Jupiter und Saturn am Nachthimmel von der Erde ausgesehen so dicht zusammen, dass sie aussahen wie ein großer und besonders heller Stern.

So, und jetzt wird‘s richtig schwierig. Was stellt der Christ- bzw. Weihnachsstollen dar?

a) Ein wertvolles Geschenk der drei Könige b) Das gewickelte Christkind oder c) Das Grundnahrungsmittel Brot als Symbol für das Sattwerden aller Menschen. Ja, b ist richtig! Woher wußten Sie das? Haben sie selbst mal ein Kind gewickelt?

Jetzt etwas für die Bibelkundigen: Bei welchem Evangelisten überlegt sich Josef sich von Maria wegen ihrer für ihn überraschenden Schwangerschaft zu trennen.

a) Johannes b) Matthäus c) Markus oder d) Lukas

O.k. Sie nehmen den 50/50 Joker. Es bleiben stehen Matthäus und Lukas. Sie meinen Lukas wird immer am Heiligen Abend gelesen und da steht nichts davon drin und Sie nehmen darum Matthäus? Sie haben recht! Nachzulesen bei Matthäus Kapitel 1, Vers 19. War halt auch nur ein Mensch, der Josef. Vorletzte Frage: Wie feiern die Japaner Weihnachten? Unter ihnen gibt es etwa eine Millionen Christen.

a) mit einer Teezeremonie b) gar nicht c) mit dem Isuzu-Feuer auf einem hohen Berg oder d) Mit Geschenken und Weihnachtsbaum? Nein, anrufen können Sie jetzt niemanden.

Ich helfe Ihnen wieder. Überlegen Sie mal, für wie geschäftstüchtig halten sie (auch) die Japaner und mit welchem Fest lassen sich im Jahr die größten Umsätze machen?

Genau. Weihnachten wird auch in Japan gefeiert, sogar mit deutschen Weihnachtsliedern.

Eine letzte Frage noch: Warum wird in vielen Familien in Polen am Heiligen Abend an der Weihnachtstafel ein Platz mit Gedeck frei gelassen?

a) weil die Oma noch überraschend kommen könnte?

b) weil dies ein Zeichen von Wohlstand ist?

c) weil ein Stuhl immer kaputt ist?

d) weil dies der Platz für Gott ist, der uns seinen Sohn schenkt?

Richtig, d! Das letzte stimmt. Denn das ist ja auch der eigentliche Grund warum wir Advent und Weihnachten feiern, oder?

Ich wünsche Ihnen dabei viel Kraft und Freude!

 

A. Kühne-Glaser, Superintendent

 

 

Advent mit den Augen Gottes sehen (Schmbg. Wochenblatt 8.12.12)


Liebe Leserinnen und Leser,
einen Adventskalender zu öffnen, ist für alle Kinder eine spannende Sache.
Sie fragen sich voller Erwartung:Was steckt hinter diesem kleinen Türchen?
Manche können die Spannung bis zum 24 Dezember gar nicht aushalten und
nehmen sich gleich am ersten Dezember den ganzen Kalender vor.
Der Adventskalender macht  Kinder neugierig.
Nun - auch die Erwachsenen öffnen  in ihrem Leben viele Türen. Auch sie sind im Alltag darauf gespannt, was kommt:Wie wird Weihnachten in diesem Jahr werden?Wird es ein besonderes Weihnachtsfest sein?
Vielen Menschen erscheint das Leben mit zunehmendem Alter wie ein Buch mitvielen Rätseln.
In der Bibel erfahren etwas über Gottes Pläne mit uns und mit der Welt.
Gott hat beschlossen, selbst in diese Welt zu kommen .
Die Adventszeit weckt verschiedene Gefühle in uns:Viele  treffen sich in diesen Tagen zu Adventsfeiern und singen miteinander die alten Lieder der Hoffnung.
Sie erzählen von Frieden und Liebe.
Die Adventszeit deckt aber auch schonungslos die dunklen Seiten
des Lebens auf. Der Schmerz nach einer bitteren Erfahrung ist im Advent besonders groß.
Statt Ruhe erleben manche gerade in dieser Zeit eine seltsame Unruhe. Sie fürchten sich vor den einsamen dunklen Stunden.
Da ist soviel Leid, das wir nicht erklären können und mit dem wir nicht fertig
werden.
Da ist soviel Schmerz, der uns das Leben schwer macht. Doch genau in diese Situation hinein erreicht uns eine wunderbare Botschaft: 
Gott selbst kommt zu uns. Er begegnet uns in unserem Leid.
Im Kind in der Krippe wird seine Liebe zu uns sichtbar.
Dieses Kind bringt bringt uns den Trost, den wir uns selbst nicht geben können.
Vielleicht sehen wir zu keiner Zeit mehr als in der  Adventszeit die
Welt mit den Augen Gottes.
Bei diesem Blickwinkel verwandelt sich Unfrieden in Frieden,
Unruhe in Ruhe, Ungeduld in Geduld,
Hektik in Gelassenheit.
Mögen wir unsere Augen öffnen für den, der uns das alles schenken kann.


Pastor i. R. Helmut Syska, Krankenhagen